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Zehlendorf

Eingesegnet mit 100

Walter Fahle, wohl ältester Konfirmand der Welt lebt in Zehlendorf

Konfirmand Walter Fahle mit Pfarrerin Sonja Albrecht und Sohn Wolf-Eberhard Fahle. Foto: Hottenbacher
Konfirmand Walter Fahle mit Pfarrerin Sonja Albrecht und Sohn Wolf-Eberhard Fahle. Foto: Hottenbacher

07.07.2026: Am 5. Juli 2026, dem 5. Sonntag nach Trinitatis, wurde der vermutlich älteste Konfirmand der Welt in der bis zum letzten Platz besetzten Johanneskirche Schlachtensee von Pfarrerin Sonja Albrecht eingesegnet. Alle waren sie gekommen, diesem besonderen Ereignis beizuwohnen: Familie, Gemeindemitglieder und sogar 40 Konfirmanden des laufenden Jahrganges hatten es sich nicht nehmen lassen, Walter Fahle bei diesem feierlichen Ereignis in seiner Hausgemeinde zu begleiten. Der Chor sang besonders hell und klar an diesem Sonntag, an dem sich der betagte Konfirmand zu seinem Glauben bekannte. Denn als Walter 14-jährig im Jahr 1940 im gängigen Konfirmationsalter war, hatte der Krieg ganz andere Prioritäten gesetzt. An eine Konfirmation dachte damals kaum jemand. „Wir waren mit Überleben beschäftigt“, erklärt Walter Fahle heute.

Einsegnung Walter Fahle. Foto: Hottenbacher
Einsegnung Walter Fahle. Foto: Hottenbacher

Vom Glauben getragen

Doch sein fester Glaube trug ihn sicher durchs Leben, ließ ihn auch schwere Erfahrungen ertragen. Aus Hamburg 1972 nach Berlin gekommen, fand der gebürtige Hamburger schon bald Zugang in die evangelische Kirchengemeinde Schlachtensee, in der seine bei Terre des Hommes engagierte Frau Erika beim Kirchenbasar mitwirkte. Nun engagierte auch er sich aktiv in der Gemeinde, der sonntägliche Kirchgang des Ehepaars Fahle gehörte zum festen Ritual. Bereits bei seiner kirchlichen Hochzeit im Bremer Dom am 24.12.1954 hatte es kirchlichen Segen erhalten, den der damalige Pastor den Beiden auch ohne Walters Konfirmation erteilt hatte. Der Trauspruch lautete: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein gibt, dass er fortgehe.“ (Sprüche 16,9). – Ein Spruch, den Walter Fahle so oft in seinem Leben bestätigt fand, und den er nun auch als seinen Konfirmationsspruch wählte, auch wenn seine 2012 verstorbene Frau dies nicht mehr miterleben durfte. „Ich hatte oft einen Schutzengel in meinem Leben“, erklärt der für sein Alter erstaunlich rüstige Konfirmand, der als 18-Jähriger in den Krieg ziehen musste und nach einem Streifschuss am Kopf 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. – Dank des langen Arms seines Schutzengels überlebte er so den grausamen Krieg.

Ein Herz für Jüngere

Später wurde er in Hamburg als Uhrmachermeister Berufsschullehrer, später dann Berufsschulleiter, bis ein weiterer Karrieresprung ihn nach Berlin berief: Er wurde Abteilungsdirektor am Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung. Nach seiner Pensionierung blieb Wakter Fahle über 30 Jahre ehrenamtlich aktiv, beweist immer wieder Herz für junge Menschen: Er betreute jahrelang über die „Lebenshilfe“ einen geistig und körperlich gehandicapten Jugendlichen. Darüber hinaus pflegte er Brieffreundschaft zu Schülern. Über das generationsübergreifende Nachbarschaftsprojekt GiG (Getragen in Gemeinschaft) des Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf (in Schlachtensee und Nikolassee ein generationsübergreifendes Nachbarschaftsprojekt, das Jung und Alt zusammenbringt, um Senioren im Alltag zu unterstützen, Einsamkeit vorzubeugen und den Kiez zu stärken) stand Walter Fahle Schülern am Rohrgarten zum Thema „Jung fragt Alt“ Rede und Antwort, gab er als Zeitzeuge Schülern des Dreilinden-Gymnasiums Einblick in frühere Zeiten.

So wundert es kaum, dass Walter Fahle Träger des Bundesverdienstkreuzes ist.

Heute lebt er selbstbestimmt in seiner Wohnung in Zehlendorf, ganz in der Nähe weiß er seinen zweitältester Sohn Wolf-Eberhard. Er nutzt Hilfsangebote wie den fahrbaren Mittagstisch, wird aber nie auf die tägliche Lektüre der Tageszeitung verzichten. Der älteste Sohn, Hermann, lebt in Hamburg. Fünf Enkel und inzwischen sieben Urenkel nennen Walter Fahle Opa und Uropa.

Junge Konfirmanden gratulierten dem 100-Jährigen zur Einsegnung. Foto: Hottenbacher
Junge Konfirmanden gratulierten dem 100-Jährigen zur Einsegnung. Foto: Hottenbacher

Es ist nie zu spät

Doch wie kommt ein 100-Jähriger dazu, sich in diesem Alter noch konfirmieren zu lassen? – Die Antwort geht auf seinen dreistelligen Geburtstag zurück, zu dem auch Pfarrerin Sonja Albrecht gratulierte. Als das Gespräch eher zufällig auf das Thema Konfirmation kam, verriet Walter, dass er ja gar nicht konfirmiert sei. Dem Vorschlag der Pfarrerin, dies nachzuholen, stimmte er begeistert zu. Sie war es nun auch, die ihn mit besonders warmen Worten und einer auf seine Person abgestimmten herzlichen Predigt „einsegnete“. Von jedem der 40 begleitenden jungen Konfirmanden erhielt er eine Rose, sodass ein stattlicher Strauß zusammenkam, der als Symbol für noch viele vitale Lebenstage steht.

Pfarrerin Sonja Albrecht erklärt zu diesem auch für sie besonderen Konfirmationsereignis:

„Walter Fahle wurde konfirmiert wie so Viele vor und so Viele nach ihm. Denn für ein JA zum Glauben ist es nie zu spät.“

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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