Steglitz-Zehlendorf
Eiszeitliche Riesen
Überreste der Weichsel-Eiszeit in Steglitz-Zehlendorf

15.07.2026: Berlin gilt als junge Metropole, doch seine Landschaft hat eine uralte Geschichte. Die Geologie Berlins wurde maßgeblich von den eisigen Naturgewalten der letzten Eiszeit – der Weichsel-Eiszeit - geformt. Als die riesigen Gletschermassen schmolzen, hinterließen sie tonnenschwere Gesteinsbrocken aus Skandinavien – sogenannte Findlinge. Wer heute aufmerksam durch den Bezirk geht, stößt auf diese steinernen Zeugen der Erdgeschichte, die teils kuriose, teils dunkle historische Geheimnisse bergen.
Geformt von der Eiszeit

Die Weichsel-Eiszeit – die letzte große Kaltzeit in Nordeuropa - begann vor rund 115.000 Jahren und endete vor etwa 12.000 Jahren. An ihrem Höhepunkt vor rund 20.000 Jahren schob sich ein kilometerdicker Eisschild von Skandinavien südwärts bis über das heutige Berlin. Als das Eis vor rund 18.000 Jahren allmählich abschmolz, formten die gewaltigen Schmelzwasserströme das Berliner Urstromtal und hinterließen die Teltower Grundmoräne. Mit dem schwindenden Eis blieben auch die im Gletscher eingefrorenen Gesteinsmassen liegen – Jahrmillionen alter Granit und Gneis, die im Eispanzer Hunderte Kilometer transportiert worden waren.
„Zwillingssteine“ in Lankwitz

Einige der markantesten Hinterlassenschaften dieser Epoche lassen sich im Bezirk entdecken. Unter anderem im Gemeindepark Lankwitz, wo nahe dem Teich ein denkmalgeschütztes Findlings-Zwillingspaar- einer aus Gneis, einer aus Granit - liegt. Im Ruth-Andreas-Friedrich-Park liegt ein weiterer, unter Naturschutz stehender Riesenstein am Hang des Fichtenbergs. Der größte Fundort befindet sich jedoch am Thielplatz in Dahlem: Während des Baus der U-Bahn nach Dahlem im Jahr 1912 war dieser 50 Tonnen schwere Findling im Erdreich entdeckt und mühevoll entfernt worden. Heute ist er in der Grünanlage Thielpark zu sehen.
Ein politischer Findling

Dass diese eiszeitlichen Kolosse nicht nur Geologen faszinieren, auch politisch instrumentalisiert wurden, zeigt ein Fund aus Zehlendorf. Nahe dem heutigen Hertha-Müller-Haus an der Ecke Argentinische Allee und Siebenendenweg wurde am 22. Dezember 1933 ein sechs Tonnen schwerer Findling eingeweiht. Initiiert von der lokalen NSDAP-Ortsgruppe „Schlieffen“, handelte es sich dabei um den ersten „Hitler-Gedenkstein“ im öffentlichen Raum Berlins. Der Stein trug die Aufschrift „30. Hartung 1933“ – den altdeutschen Begriff für Januar und den Tag der nationalsozialistischen Machtergreifung. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Stein vergraben. Erst im Jahr 2016 wurde er wieder ausgegraben und ist seither als zeithistorisches Dokument in der Ausstellung „Enthüllt“ in der Zitadelle Spandau zu sehen. Einen gänzlich anderen historischen Hintergrund hat ein weiterer Riese im Glienicker Park: Dieser Findling trägt das Datum 1. Mai 1824 - ein eingemeißeltes Kaufdatum. Es ist ein Relikt aus der Zeit, als Prinz Carl von Preußen das Anwesen erwarb.




