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Charlottenburg-Wilmersdorf

Spuren eines Nobelpreisträgers

Vor 60 Jahren wurde die Büste von Gerhart Hauptmann enthüllt

20.05.2026: Wer durch Charlottenburg-Wilmersdorf spaziert, begegnet an vielen Ecken der Berliner Stadtgeschichte. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei einem der bedeutendsten deutschen Schriftsteller: Gerhart Hauptmann (1862 – 1946). Gleich an zwei Orten des Bezirks erinnern Denkmäler an den Literaturnobelpreisträger.

Zitat aus "Florian Geyer"

In der Gerhart-Hauptmann-Anlage, an der Ecke von Bundesallee und Meierottostraße, blickt eine bronzene Büste auf die Passanten. Das Kunstwerk wurde ursprünglich im Jahr 1920 von dem Bildhauer Fritz Klimsch geschaffen. Da das Original im Laufe der Zeit verloren ging, fertigte man nach einem Abguss aus dem Märkischen Museum einen Neuguss an. Dieser wurde am 6. Juni 1966, exakt an Hauptmanns 20. Todestag, feierlich auf einem Granitstein enthüllt. Die schlichte Inschrift „Gerhart Hauptmann – Dramatiker“ wird durch ein markantes Zitat aus seinem Stück „Florian Geyer“ ergänzt, das auf dem Sockel prangt: „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz“.

Wohnort Schlüterstraße

Ein weiteres Zeugnis seiner Zeit findet sich an der Schlüterstraße 78 in Charlottenburg. Dort erinnert seit dem 20. Oktober 1989 eine Berliner Gedenktafel an den berühmten ehemaligen Bewohner. Zwischen 1889 und 1891 lebte der Schriftsteller in diesem Haus. Es war eine überaus produktive Phase in seinem Leben: Hier verfasste er sein sozialkritisches Meisterwerk „Die Weber“.

Aufführungsverbot für "Die Weber"

Dass dieses Stück über den schlesischen Weberaufstand von 1844 in Berlin zunächst gar nicht aufgeführt werden durfte, weil der damalige Polizeipräsident es wegen seiner aufrührerischen Wirkung verbot, passt zur Lebensgeschichte des Autors. Hauptmann war ein Mann, der aneckte, weil er Missstände schonungslos aufzeigte. Geboren wurde er am 15. November 1862 im schlesischen Obersalzbrunn – heute das polnisch Szczawno-Zdrój. Nach abgebrochenen Ausbildungen in der Landwirtschaft und der Bildhauerei fand er in Berlin schließlich seinen Weg als Schriftsteller.

Soziale Dramen auf der Bühne

Hauptmann entwickelte sich schnell zum wichtigsten Vertreter des deutschen Naturalismus. Sein Ziel war es, die ungeschönte Realität auf die Bühne zu bringen – inklusive Armut, Krankheit, Alkoholismus und sozialer Ungerechtigkeit. Mit seinem Drama „Vor Sonnenaufgang“ gelang ihm 1889 der literarische Durchbruch, der das damalige Theaterpublikum schockierte, aber auch nachhaltig faszinierte. Seine genaue Beobachtungsgabe und das tiefe Mitgefühl für die einfachen Menschen prägten all seine Werke, zu denen auch bekannte Stücke wie „Der Biberpelz“, „Die Ratten“ oder die Novelle „Bahnwärter Thiel“ zählen. Für sein Schaffen, das die Literatur weltweit beeinflusste, wurde er im Jahr 1912 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Zwischen Ostsee und Riesengebirge

Trotz seiner anfänglichen Verbundenheit zur Hauptstadt zog es ihn aufgrund eines Lungenleidens in das Riesengebirge seiner schlesischen Heimat sowie in den Sommermonaten oft auf die Ostseeinsel Hiddensee. Hauptmann erlebte noch das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Zusammenbruch des Deutschen Reiches. Er starb am 6. Juni 1946 im Alter von 83 Jahren im polnischen Jagniątków, vor 1945 das schlesische Agnetendorf . Sein literarisches Erbe ist unbestritten – und in Charlottenburg-Wilmersdorf bleibt die Erinnerung an den großen Literaten im Straßenbild fest verankert.

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