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Tempelhof-Schöneberg

Schwerbelastungskörper öffnet wieder

Mahnmal in der General-Pape-Straße ist ab April zugänglich

Foto: Gesche Würfel
Foto: Gesche Würfel

27.03.2026: Zwölftausend Tonnen Beton in Tempelhof-Schöneberg: Der Schwerbelastungskörper an der General-Pape-Straße beendet seine Winterpause. Ab dem 1. April 2026 können Interessierte das massive Bauwerk wieder besichtigen, das als eines der wenigen sichtbaren Relikte der nationalsozialistischen Umbaupläne für Berlin erhalten geblieben ist.

Der „Schwerbelastungskörper“ zeugt bis heute von den größenwahnsinnigen Bauvorhaben, die während des Nationalsozialismus für Berlin geplant waren. Unter der Leitung des Generalbauinspektors Albert Speer, dem Architekten Adolf Hitlers, begann ab 1937 die Planung einer umfassenden Neugestaltung der Stadt. Nach Hitlers Vorstellung hätten zwei Magistralen, die so genannte „Ost-West-Achse“ und die „Nord-Süd-Achse“, die neue „Welthauptstadt“ wie ein Kreuz durchschnitten. Am Ende der Nord-Süd-Achse – einer rund 7 Kilometer langen und 120 Meter breite Prachtstraße – war ein gewaltiger Triumphbogen geplant, der alle bisherigen baulichen Dimensionen Berlins gesprengt hätte.

Im Jahr 1941 wurde in unmittelbarer Nähe zu dem geplanten Triumphbogen ein Bauwerk zur Prüfung der Tragfähigkeit des Bodens errichtet – unter Einsatz von Zwangsarbeit. Der so entstandene Schwerbelastungskörper, ein zylindrischer Druckkörper aus massivem Beton, hat einen Durchmesser von 21 Metern. Er reicht 14 Meter in die Höhe und 18 Meter in die Tiefe und sollte später nicht abgerissen, sondern der Boden aufgeschüttet und die Straße über ihn geführt werden. Die Nord-Süd-Achse wurde in der geplanten Form nie realisiert. Geblieben ist – wie ein mahnendes Relikt – der zwölftausend Tonnen schwere Betonkörper.

Besucher können das Gelände vom 1. April bis zum 31. Oktober von dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags von 13 Uhr bis 18 Uhr erkunden. Ein Fußgängertunnel ermöglicht zudem den Zugang in das Innere des Druckkörpers.

Wer tiefer in die Hintergründe des Ortes eintauchen möchte, kann an kostenlosen Führungen teilnehmen. Diese finden ab Mai an jedem ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr statt. Eine Ausnahme bildet der April: Hier wird die Führung abweichend am 12. April um 15 Uhr angeboten. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Da auf dem Gelände derzeit Sanierungsarbeiten stattfinden, gelten besondere Sicherheitsregeln. Das Tragen eines Helms ist für die Dauer des Aufenthalts verpflichtend; die Helme werden den Gästen direkt am Eingang ausgehändigt. Zudem wird das Tragen von festem Schuhwerk empfohlen, da der Boden Unebenheiten aufweisen kann.

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