Steuern & Finanzen
Riester war gestern
Bundesregierung reformiert die private Altersvorsorge – mit mehr Förderung, aber einem Haken
26.03.2026: Der Bundestag hat sich über das Nachfolgegesetz zur Riester-Rente geeinigt. Die gute Nachricht zuerst: Die Förderung wird spürbar besser. Wer bis zu 360 Euro im Jahr einzahlt, bekommt künftig die Hälfte davon vom Staat dazu. Bis zur maximal geförderten Einzahlsumme von 1.800 Euro jährlich sind es immerhin 25 Prozent – macht unterm Strich bis zu 540 Euro Förderung pro Jahr. Für Familien lohnt sich ein zweiter Blick: Die volle Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr gibt es bereits ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro. Bei zwei Kindern, einem langen Anlagezeitraum und günstigen Konditionen könnte daraus nach Modellrechnungen ein Vermögen von rund 138.000 Euro entstehen – fast dreimal so viel wie bei einem herkömmlichen ETF-Sparplan ohne Förderung. Auch Selbstständige, bislang von der geförderten Vorsorge weitgehend ausgeschlossen, sollen künftig Zugang erhalten.
Die schlechte Nachricht: Ein zentrales Problem bleibt ungelöst. Denn wie viel am Ende tatsächlich ankommt, hängt stark von den Kosten ab – und genau da hapert es. Ursprünglich war ein jährlicher Kostendeckel von 1,5 Prozent für Standardprodukte geplant, nun soll er bei einem Prozent liegen. Besser, aber nach Einschätzung von Finanztip noch immer zu hoch. Der unabhängige Geldratgeber fordert seit Monaten eine Obergrenze von maximal 0,5 Prozent für alle geförderten Produkte, mehr als 230.000 Menschen haben eine entsprechende Petition unterzeichnet.
Was der Unterschied in der Praxis bedeutet, lässt sich an konkreten Zahlen ablesen: Eine alleinstehende Person, die 40 Jahre lang jährlich 1.800 Euro einzahlt, käme bei günstigen Kosten von 0,2 Prozent auf ein Endvermögen von rund 269.000 Euro – rund 63.000 Euro mehr als mit einem ungeförderten ETF-Sparplan. Schöpft ein Anbieter den Kostendeckel von einem Prozent aus, schrumpft das Ergebnis auf rund 219.000 Euro. 50.000 Euro weniger, die schlicht in den Taschen der Finanzbranche verschwinden.
„Wie schon bei Riester wird es so vielfach dazu kommen, dass insbesondere weniger informierten Sparern undurchsichtige Verträge aufgeschwatzt werden, bei denen die tatsächlichen Kosten weit über ein Prozent liegen können“, warnt Finanztip-Chefredakteur Saidi Sulilatu.
Neben privaten Anbietern wie Banken und Neobroker soll es künftig auch ein öffentliches Altersvorsorgedepot vom Staat geben. Die neuen Produkte und die staatliche Förderung sollen ab 2027 gelten – sofern nach dem Bundestag auch der Bundesrat zustimmt.


