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„Your Little Planet“: Unsere Welt für alle besser gestalten

Kathrin und Nicolas Bramke fangen vor der eigenen Haustür damit an

Pilot-Projekt in Lankwitz: Blühende Kieze – für Bestäuber und Mensch
Pilot-Projekt in Lankwitz: Blühende Kieze – für Bestäuber und Mensch
Erschienen in Lichterfelde West Journal Juni/Juli 2019
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Was ist eigentlich Biodiversität? Wer erklärt mir verständlich Klimawandel und was sind Ackergifte?

Diese und andere Themen und Begriffe werden nicht nur auf der Webseite von „Your Little Planet (YLP)“ verständlich und einprägsam erklärt. Hinter der ehrenamtlich engagierten Bildungsinitiative, die mit ihren Projekten begonnen hat, vor der eigenen Haustür die Welt besser und lebenswerter zu machen, stehen in erster Reihe Nicolas Bramke und seine Frau Kathrin. Andere Menschen für ähnliche Projekte zu sensibilisieren und ihnen unsere Welt in ihrer Funktionsweise verständlicher zu machen, liegt den beiden Gründern der Initiative und ihrer Crew dabei besonders am Herzen. Nicht zuletzt, um unserem so verletzbaren und hart geprüften Planet Erde eine Zukunft und den Nachfolge-Generationen eine positive Lebensperspektive zu geben.

Dazu wandeln die Naturfreunde in Berlin-Lankwitz Wiesenflächen zu Blühflächen für bedrohte Bestäuber wie Wildbienen um. Darüber hinaus äußern sie sich fachkundig beratend und in Petitionen zu unverständlichen Planungen des Bezirksamtes. In erster Linie aber motivieren sie Unterstützer für ihre Projekte und sprechen andere Menschen an, es ihnen gleichzutun.

Die Umwelt-Crew hinter YLP

Nicolas Bramke studierte Umweltwissenschaften und war irgendwann beruflich überbelastet. Von jeher sensibilisiert für Natur und Umwelt, brachte ihn ein Burnout schließlich auf den richtigen Weg: sich zukünftig mit „Your Little Planet“ verstärkt um die Probleme und Bedrohungen unserer Umwelt zu kümmern – 2013 war seine Bildungsinitiative YLP geboren.

Heute ist Nicolas in der IT-Branche tätig. Ehrenamtlich arbeitet er für seine Bildungsinitiative in den Bereichen Recherche, Redaktion, Webseite und Grafikdesign, ist für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Dank seines unermüdlichen Einsatzes konnten die YLP-Projekte in relativ kurzer Zeit weit vorangebracht werden.

An seiner Seite steht Ehefrau Kathrin mit umfangreichem Fachwissen und Know-how. Naturschutzorientiert von Jugend an, studierte sie zuerst Landschaftsnutzung und Naturschutz, bevor sie nach erfolgreichem Abschluss des Bachelorstudiums das weiterführende Master-Studium Biodiversität, Evolution und Ökologie an der FU Berlin absolvierte. Praktisch im Naturschutz tätig, ist auch Kathrin ehrenamtlich im Einsatz für die Umwelt-Initiative YLP, indem sie u. a. Informationen fachlich aufbereitet, gestalterisch im Printmedienbereich aktiv ist und am Blog mitarbeitet.

Unterstützt werden die beiden Initiatoren von Florian, der die technische Betreuung der Webseite übernommen hat, und von Björn, der mit Blogbeiträgen und zur Optimierung der YLP-Webseitengestaltung beiträgt.

Von einem siebenköpfigen Stamm Engagierter sowie Nachbarn und Interessierten werden die derzeitigen YLP-Projekte betreut.

Dabei verfolgen alle Beteiligten der Initiative das Ziel, bildungsfördernde Aufklärung von Groß und Klein zu gesellschaftlichen, umweltrelevanten und sozialen Themen zu leisten. Sie sind sich einig: „Das lässt uns und unsere Projekte wachsen.“

Pilot-Projekt in Lankwitz „Blühende Kieze – für Bestäuber und Mensch“

Kathrin und Nicolas Bramke sind Bienenkenner und -freunde. „Wir setzten uns schon 2015 mit unserem Projekt für den Erhalt einer der größten Wildbienenkolonien ein“, erklären sie und meinen damit die standorttreue, bedrohte und unter Schutz stehende Fuchsrote Sandbiene (Adrena Fulva), die in der Lankwitzer Dillgestraße ihre Kolonien hat. Fast wäre der Boden dort versiegelt worden, was den sicheren Tod für die Bienen bedeutet hätte. Doch die Umweltschützer von YLP setzten sich für sie ein, und durch die schnelle Reaktion der Unteren und Oberen Naturschutzbehörde konnten die Bienen gerade noch rechtzeitig gerettet werden.

„Wildbienenarten erbringen eine etwa fünfmal so hohe Bestäuberleistung wie Honigbienen“, weiß Nicolas Bramke und denkt dabei auch an ihre wichtige Bedeutung für die biologische Pflanzen-Vielfalt.

Im Gemeindepark Lankwitz hat YLP daher ein Pilot-Projekt gestartet, das nicht nur bedrohten Bestäubern wie Wildbienen, Faltern, Schwebfliegen und Grabwespen Appetit macht:

Im Gemeindepark stellte das Grünflächenamt von Steglitz-Zehlendorf der Bildungsinitiative zwei jeweils rund 1.000 Quadratmeter große, ungenutzte Flächen zur Verfügung, die durch ihre Rasenmonokultur für die Bestäuber als Futterquellen wenig attraktiv waren. Mit dem Ziel, diese Flächen in blühreiche und damit „appetitliche“ Futterplätze umzuwandeln, machten sich die Initiatoren, Freunde und Nachbarn im Herbst 2018 ans Werk: Zuerst wurde die ehemalige „Heuwiese“ – direkt am Maria-Rimkus-Haus gelegen – vom Grünflächenamt umgegraben. Nach von Kathrin und Nicolas Bramke entwickeltem Konzept wurde nach Bereinigung der Flächen von Gräsern und Moosen eine spezielle Saatmischung ausgebracht, die ausschließlich über 40 einheimische und gefährdete gebietseigene Wildkräuter und –stauden beinhaltet, darunter gewöhnliche Schafgarbe, Feld-Beifuß, Wiesen-Glockenblume, Nickende Distel, Kornblume, Wiesen-Flockenblume, Natternkopf, Acker-Witwenblume, Klatschmohn, Weiße Lichtnelke und Feld-Klee. – Arten mit höherer Trockenverträglichkeit, die dennoch den Initiatoren regelmäßiges Wässern und Umsorgen abverlangen. Aufgrund der fehlenden Niederschläge wurde die zweite, direkt zwischen Gallwitzallee/Mühlenstraße gelegene Fläche erst in diesem Frühjahr bestellt. Auf Schildern der YLP-Bildungsinitiative wird über das Projekt informiert und um Rücksichtnahme für die jungen Pflänzchen gebeten. Schon heute erstrahlt die Fläche am Maria-Rimkus-Haus in kräftigem Mai-Grün, das vom zarten Gelb des blühenden Acker-Senfs durchsetzt ist. Am Rand hat YLP Johannisbeeren; Stachelbeeren und Haselsträucher gesetzt, denn nicht nur Bienen, auch menschliche Schleckermäulchen naschen gern nach dem Motto „essbare Stadt“.

Bis zur vollständigen Entwicklung zur dicht bewachsenen Blühwiese dauert es allerdings noch mehrere Jahre. Aber auch die zweite, erst in diesem Frühjahr angelegte Blühwiese zeigt bereits hoffnungsfrohes Grün mit zarten Blattrosetten.

In der Nähe haben Nicolas, Kathrin und die YLP-Helfer den Bestäubern auch noch ein Insekten-Haus errichtet, das demnächst noch begrünt wird.

Wissenschaftliche Projekt-Begleitung kommt von der TU Berlin im Rahmen einer Masterarbeit.

Gefördert wird die Projekt-Maßnahme über die ehrenamtlich eingebrachte Arbeit sowie über Sachmittel, die aus dem FEIN-Fördertopf und aus Crowdfunding stammen. Und: „Das Grünflächenamt unterstützt uns, wo es kann“, betont Nicolas immer wieder.

Für einen sinnvollen Trassenverlauf zugunsten der Natur

Zwar benötigt das Pilotprojekt viel Aufmerksamkeit – dennoch stellt sich YLP außerdem der aktuellen Problematik beim Ausbau des Fernradweg Berlin-Leipzig: Derzeit wird ein Teil dieses Weges in Lankwitz gebaut. Das Bezirksamt plant dazu, eine 100 Meter lange Trasse durch den denkmalgeschützten Gemeindepark Lankwitz zu führen. In einer Petition hat sich YLP dagegen ausgesprochen und schlägt einen anderen Trassenverlauf vor, der den Personenverkehr im Park weniger gefährden dürfte, im Boden angesiedelte Wildbienen schützen und die vorhandenen Bäume vor einem Verdursten durch die drohende Bodenversiegelung bewahren soll: YLP schlägt vor, stattdessen die ursprüngliche Planung der Trasse zu realisieren: „Sie sah vor, die Trasse auch über die letzten 50 Meter der Mühlenstraße zu führen, um sie dort direkt an den Radweg der Gallwitzallee anzuschließen. Bereits seit Jahren besteht dort eine separate Abbiegespur für Radfahrer mit entsprechender Hinweis-Beschilderung, die auf den existierenden Radweg an der Gallwitzallee hinweist“, erklärt Nicolas Bramke.

Er hofft, dass sich die Zuständigen aus dem Bezirksamt endlich vor Ort die bestehenden Verhältnisse anschauen – bevor durch unüberlegte Baumaßnahmen wertvolles Naturgut unwiederbringlich zerstört wird.

Informationen und Kontaktadresse für Interessierte, welche die Bildungsinitiative Your Little Planet und ihre gemeinwohlorientierten Projekte unterstützen möchten, unter www.yourlittleplanet.org/de/ .

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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