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150 Jahre Bahnhof Schlachtensee

Von der Gründerzeit zum modernen Bahnhofsviertel

Erschienen in Nikolassee & Schlachtensee Journal Juni/Juli 2024
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Kleiner Bahnhof in großer Idylle: Am 1. Juni 1874 eröffnete der Bahnhof Schlachtensee. Er gehört zur Wannseebahn. Diese verlief vom Potsdamer Bahnhof am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte über mehrere Zwischenstationen bis nach Zehlendorf, wo sie vom Stammbahngleis abzweigte, hielt anfangs in Schlachtensee und Wannsee. Sie führte bis Neu-Babelsberg, heute Potsdam-Griebnitzsee und von dort aus weiter nach Potsdam. Der Bahnhof Nikolassee folgte 1902 und die Station Zehlendorf West (heute Mexikoplatz) im Jahr 1904. Im Bahnhofsdurchgang ist jetzt ein Blick in die Vergangenheit möglich. Anlässlich des Jubiläums wurden am 1. Juni zwei große Fototafeln enthüllt, die zeigen, wie der Bahnhof einst aussah.

Station im Wald

Der Bahnhof Schlachtensee diente anfangs vorrangig als Ausflugsbahnhof, da er damals noch mitten im Wald lag. Aber er wurde auch zur Erschließung der Gegend genutzt, die sich zum Villenviertel für wohlhabende Bewohnerinnen und Bewohner entwickeln sollte. Anfangs hatte der Bahnhof nur einen Seitenbahnsteig, im Jahr 1891 bekam er seinen heute noch existenten Mittelbahnsteig. An dessen südwestlichen Ende erbaute man das Stellwerk Sts sowie eine Kehranlage für Dampfzüge. Mit dem Umbau des Bahnhofs vom Seiten- zum Mittelbahnsteig ging eine Höherlegung der Gleise einher. Damit verlor das 1873 – 74 erbaute Empfangsgebäude seine Funktion. Heute haben hier Unternehmen ihren Sitz. Von 1972 bis 2001 gab es hier die beliebte Kneipe „Bei Kalle uffm Bahnhof“, betrieben von dem Schauspieler Kalle Gaffkus. Sie entwickelte sich schnell zu einem Prominententreff.

Vom nordwestlichen Ausgang erreicht man den namensgebenden Schlachtensee. Am 15. Mai 1933 fuhr die erste elektrisch betriebene S-Bahn nach Schlachtensee, die Kehranlage wurde aufgegeben. Der Zweite Weltkrieg verursachte an Gleisen und Gebäuden keine größeren Zerstörungen. Da war der nach dem Mauerbau am 13. August 1961 einsetzende S-Bahnboykott in seinen Auswirkungen schon nachhaltiger. Nur noch wenige Menschen benutzten die S-Bahn – diese wurde von der Reichsbahn, zugehörig zur DDR, betrieben. Aussprüche wie „Wenn ihr mit der S-Bahn fahrt, bezahlt ihr Ulbrichts Stacheldraht“ machten die Runde.

Der südöstlich vorhandene Güterbahnhof wurde um 1970 geschlossen, im Anschluss entfernte man die Gütergleise.

Nach dem Reichsbahnerstreik vom September 1980 gab die Reichsbahn den Betrieb der S-Bahn auf. Die BVG übernahm im Januar 1984 die S-Bahn im Westteil der Stadt und begann zeitnah mit der Reaktivierung der Wannseebahn.

Seit dem 1. Februar 1985 fahren die S-Bahnen wieder als regulärer Teil des Berliner öffentlichen Nahverkehrs.

Villenviertel ohne Industrie

Mit fortschreitender Villenbebauung kristallisierte sich heraus, dass das vornehme Wohngebiet und Industrie sich nicht vertrugen. In der Folge zog die seit 1876 ansässige Firma Orenstein & Koppel mit ihrer Produktion von Feldlokomotiven nach Babelsberg. Dennoch entwickelte sich auf ihrem früheren Gelände in den Bahnschuppen ein reges Gewerbeangebot, das nicht recht zur Villenumgebung passen wollte.

Die Schlachtenseer waren nicht begeistert, aber trotz aller Bemühungen überdauerten die Zustände viele Jahre, von der Weimarer Republik bis zur Wiedervereinigung. Danach jedoch begann die Deutsche Bahn, ihre Flächen, die nicht benötigt wurden, auf dem Immobilienmarkt anzubieten. Auf der alten Fläche sollte nun ein Wohn- und Geschäftsviertel entstehen.

Auf der Suche nach einem neuen Viertel

Damit begann die Geschichte einer bis dato einmaligen Bürgerbeteiligung. Engagierte, fachlich versierte Anwohner begleiteten den Bebauungsplan mit ihrer Expertise von Anfang an. Darunter befanden Stadtplaner, Architekten und Immobilienexperten. Im Jahr 1995 bereitete der damalige Bezirk Zehlendorf den Bebauungsplan für das frühere Gelände des Güterbahnhofs vor.

Im gleichen Jahr gründete sich die Bürgerinitiative – InitiativKreis (IK) Schlachtenseer Bürger. Anfangs waren sie zu siebt, später stießen zwei weitere Mitglieder hinzu. Nach vielen internen Diskussionen wurden eigene Projektpläne entwickelt. Die Schlachtenseer wurden von der IK stets über die Entwicklungen informiert. Im Jahr 2008 wurden die ersten Gebäude errichtet. Gehwege und Vorgärten in der Breisgauer Straße wurden neu gestaltet. Das dreigeschossige Geschäftshaus, kurz vor der S-Bahntrasse auf der Ostseite der Breisgauer Straße, harmoniert mit der Bebauung der historisch gewachsenen Straße. Im vorderen Teil befindet sich ein Ärztehaus, im hinteren, öffnete der Supermarkt Rewe eine große Filiale.

Gegenüber errichtete der Discounter Aldi sein neues Geschäft. Der großzügige Parkplatz verfügt über 160 Stellplätze. 2009 konnte das neue Nahversorgungszentrum feierlich eröffnet werden. Doch damit war das Viertel noch nicht fertiggestellt. 2010 folgten hinter dem Nahversorgungszentrum 27 Einfamilienhäuser. Ein weiteres Gebäude folgte 2011, dort zog die Drogeriekette DM ein. 2013 kam ein Neubau direkt neben dem Eingang zum S-Bahnhof dazu. Die kleinen Läden an der Breisgauer Straße, die der Gegend ihren individuellen, besonders liebenswerten Stempel aufdrücken, leiden nicht unter dem Nahversorgungszentrum, sondern profitieren von dem gesteigerten Kundenaufkommen.

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