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Gewerbe- und Industriegebiet Goerzallee

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Teilbereiche Gewerbegelände Beeskowdamm, Goerzallee, Lichterfelder Weg, Stichkanal.  Quelle: ALB d. Senatsverw. f. Stadtentw. u. Umwelt
Teilbereiche Gewerbegelände Beeskowdamm, Goerzallee, Lichterfelder Weg, Stichkanal. Quelle: ALB d. Senatsverw. f. Stadtentw. u. Umwelt
Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf September 2017

Das Gewerbe- und Industriegebiet an der Goerzallee/Beeskowdamm war in den letzten Jahrzehnten aufgrund veralteter Bausubstanz und Firmenstillegungen erheblichen Veränderungen unterworfen. Dieses Gebiet ist mit einer Fläche von 85 ha die größte zusammenhängende Entwicklungsfläche in Steglitz-Zehlendorf, um neue Firmen und modernes Gewerbe anzusiedeln. Erste Neuansiedlungen sind bereits erfolgt. Auch in der BVV steht dieses Thema auf der Agenda. Im Folgenden stellen die Fraktionen ihre Vorstellungen zur Zukunft des Standortes am Teltowkanal vor.

CDU-Fraktion

In und um das restaurierte Baudenkmal der Goerzwerke, entsteht ein Standort für Wachstum, mittelständige Unternehmen, innovative Produktionsbetriebe und Start-ups. Berlin ist Gründerhauptstadt Europas und die CDU Steglitz-Zehlendorf setzt sich dafür ein, dass auch unser Bezirk mit der Goerzallee als Standort für Gewerbe und Arbeiten an dieser Entwicklung Teil hat. Hier sollen Arbeitsplätze geschaffen – und ein Ort für saubere Industrien im Südwesten entwickelt werden. Wir setzen uns für eine smarte Umsetzung beim Ausbau der urbanen Infrastruktur ein, es darf aber nicht bei smarten Ideen bleiben. Die Bezirksbürgermeisterin steht zum Standort und hat eine Potentialanalyse in Auftrag gegeben, um standortspezifische Entwicklungsmöglichkeiten und Bedarfe festzustellen. Wir setzen uns dafür ein, dass optimale Bedingungen für Industrie, Gewerbe und Kreative gewährleistet sind. Der Rot-Rot-Grüne Senat steht in der Pflicht, in den digitalen Zentren unserer Stadt eine Breitbandversorgung von 200 MBit/s sicherzustellen. Der Investitionsstandort Goerzallee benötigt eine gute Infrastruktur des ÖPNV und eine Verdichtung der Taktzeiten insbesondere im Berufsverkehr. Die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen für eine verkehrsgünstige Anbindung der Außenbezirke muss vom Rot-Rot-Grünen Senat angepackt werden!

Tom Cywinski

SPD-Fraktion

Gewerbe- und Industrieflächen sind wichtig für Wachstum und Beschäftigung, aber in Berlin unterdessen rar (daher ist die Schließung des Flughafens Tegel so wichtig). Eine der größten Flächen-Reserven liegt an der Goerzallee. Leider hat dies die schwarz-grüne Zählgemeinschaft in den letzten Jahren vernachlässigt: Unternehmen haben geschlossen, eine Aufwertung oder Vermarktung fand nicht statt.

Nun soll also ein „Konzept“ entwickelt werden. Dabei liegt auf der Hand, was zu tun ist: Trennung der Medien, damit Teilflächen vermietet werden können und eine aktive Vermarktungspolitik zusammen mit dem Land. Leider wurden schon Fehler gemacht: Die neuen Wohngebiete sind so dicht an die Industrieflächen gewandert, dass Konflikte vorprogrammiert sind. Und es wurde die Chance vertan, gemeinsam mit der Verkehrsplanung für Lichterfelde-Süd ein übergreifendes Verkehrskonzept für die Region zu schaffen, so dass auch weiterhin der Ausweichverkehr durch den Dahlemer Weg rumpeln wird.

Zum Glück engagiert sich mit den Goerzwerken ein privater Investor, so dass nicht das Präriegras der schwarz-grünen Zählgemeinschaft über die komplette Fläche weht.

Jan Kellermann

AfD-Fraktion

Der Dornröschenschlaf an der Goerzallee ist beendet. Jeder Quadratmeter Fläche wird benötig. Der Leerstand von Gewerbeimmobilien liegt bei einem historisch niedrigen Wert von 2,4 Prozent. Wohnungsbau und Gewerbe buhlen um den Zuschlag. Kaufpreise und Mieten steigen. Die Entwicklung des Gebiets ist eine große Aufgabe, die gut durchdacht werden soll. Startups, Produktfertigung, Dienstleistungen und schöne Wohnungen am Kanal? Die AfD kann sich das vorstellen! Wobei: ist das wirklich ein Thema, das Ihnen auf den Nägeln brennt? Ich würde hier viel lieber für Sie etwas über die Integration von Flüchtlingen in unserem Bezirk schreiben – aber diese Debatte wird bewusst unterdrückt. Die Sozialstadträtin sucht händeringend Mitarbeiter für die Integration: Projektentwicklung, Ressourcenplanung, Einarbeitung von Mitarbeitern, „bewältigt große Arbeitsmengen bei gleichbleibend guter Qualität und übernimmt selbstständig Aufgaben“ … Allerdings: Wer diese Kompetenz im sozialen Bereich hat, der packt noch einen MBA obendrauf und arbeitet für ein Vielfaches in der Wirtschaft. Vielleicht in einem schicken neuen Start-up an der Goerzallee.

Peer Döhnert

FDP-Fraktion

Das Gewerbegebiet „Goerzallee“ ist ein versunkener Schatz. Das „Goerzwerk“ als „echtes“ Start-up-Zentrum in Steglitz-Zehlendorf ist eine Perle der gewerblichen Entwicklung. Die Freien Demokraten (FDP) begrüßen ausdrücklich das hohe Engagement privater Unternehmer und fordern von den derzeit Verantwortlichen im Bezirk ein offenes Bekenntnis zu dem dort vorhandenen gewerblichen Potential. Der Bezirk muss diese innovative Keimzelle gezielt unterstützen und die entstehende unternehmerische Dynamik aktiv fördern. Trotz der über 100-jährigen Historie als Gewerbegebiet ist der Bereich infrastrukturell zunehmend verwaist. Es fehlt ein tragfähiger Ausbau des ÖPNV. Die Kooperation mit den Nachbargemeinden muss intensiviert werden. Der schwerlastfähige Ausbau der Brücken in Richtung Berliner Ring könnte endlich auch Zehlendorfs Mitte entlasten. Die Nähe zur FU bietet Chancen. Die fehlgeleitete Wirtschaftspolitik im Bezirk muss dringend korrigiert werden. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung sind ideal. Der Platz in Berlins Mitte ist knapp und teuer. Die Alternative „Goerzallee“ bietet sich an. Man muss es nur wollen!

Kay Ehrhardt

Linksfraktion

Das größte Gewerbegebiet im Bezirk um die Goerzallee muss zukunftsfest gemacht werden. Die Nähe zur Innenstadt und Brandenburg sowie die moderaten Gewerbemieten bieten attraktive Rahmenbedingungen für die Ansiedlung neuer Unternehmen.

Land und Bezirk sind in der Verantwortung, die verkehrliche Erschließung per ÖPNV, Fahrrad, LKW und Schiene mit Nachdruck voranzutreiben. Die enge Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Technologie- und Gründungszentrum „FUBIC” und dem Standort Goerzallee ist ein wichtiger Katalysator für die Entwicklung des Gebiets.

Das Land Berlin muss dringend in die Gebäudesanierung auf dem ehemalige Krone-Gelände investieren. Für das Rexam-Gelände müssen passende Unternehmen angeworben werden. Eine verbesserte Koordination und eine Imagekampagne für den „Gewerbepark Goerzallee” sind vordringliche Aufgaben im Bezirk. Das Unternehmensnetzwerk muss vom Bezirk aktiv unterstützt werden. Dem industriellen Strukturwandel hin zu neuen Technologien mit Digitalisierung, Zuwachs von Produktion und Dienstleistungen muss Rechnung getragen werden. Wir brauchen alle Branchen!

Gerald Bader

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