Gazette Verbrauchermagazin

Liebermann-Villa Wannsee hat neue Direktorin

Dr. Lucy Wasensteiner punktet mit Fachkenntnis und britischem Charme

Erschienen in Wannsee Journal April/Mai 2020
Anzeige
Garant Immobilien AGHaus SanssouciCity-Friseur Mac Hair MinipünktchenPatina Garden oHGProfi Service
Dr. Lucy Wasensteiner, Direktorin der Liebermann-Villa Wannsee.
Dr. Lucy Wasensteiner, Direktorin der Liebermann-Villa Wannsee.

Seit Februar ist die Kunsthistorikerin und Expertin für deutsche Moderne Kunst, NS-Kulturpolitik und Provenienzforschung (Geschichte der Herkunft von Kunstwerken) neue Leiterin der Liebermann-Villa. Die Britin, die auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, verbindet schon länger eine tiefe Zuneigung mit dem Museum am Wannsee.

2011 kam sie im Rahmen eines Stipendiums für ihre Forschungsarbeit an die Freie Universität Berlin, wo sie als Gaststudentin an der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ arbeitete. Dr. Lucy Wasensteiner erklärt: „Die Liebermann-Villa wurde in Berlin schnell mein Lieblings-Museum.“ – Nicht zuletzt wegen seiner traumhaften Lage und der beeindruckenden Geschichte, die jeder Stein des Hauses von der unschuldigen Kunst Max Liebermanns und seiner tragischer Familiengeschichte erzählt.

Über Max Liebermann sagt Dr. Wasensteiner. „Für mich zählt er zu den bedeutendsten Vertretern des Impressionismus in Deutschland.“

Der Weg...

Dr. Lucy Wasensteiner, die mit Mann und Kind seit kurzem in Berlin-Zehlendorf lebt, wuchs in North Yorkshire auf. Nach ihrem Jura-Studium in Bristol und Oxford arbeitete sie in einer großen Londoner Kanzlei, die sich auch mit Raubkunst und der Herkunft von Kunstwerken beschäftigte.

„Dabei habe ich neben systematischer Arbeit gelernt, zu erforschen, was hinter den Dingen steckt“, sagt die frischgebackene Museumsleiterin, die durch die Provenienzforschung schließlich zur Kunstgeschichte fand. Ihren Master darin machte sie am Courtauld Institute of Art, University of London. Sie promovierte zur Londoner Ausstellung „1938 – Twentieth Century German Art“, in der die internationale Reaktion auf die NS-Aktion gegen die sogenannte Entartete Kunst thematisiert wurde.

Ihrem Lieblingsmuseum in der Liebermann-Villa, kam sie bereits von 2015 bis 2018 näher. Zuerst als wissenschaftliche Volontärin und später als Kuratorin verstärkte sie das Museumsteam, indem sie in erster Reihe die erfolgreichen Ausstellungen „Max Liebermann und Paul Klee. Gartenbilder“ und „London 1938 – Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler“ mitgestaltete. Sie war außerdem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und am Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungslehrstuhl für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart.

…ist das Ziel

Resultierend aus der tragischen Familiengeschichte der Liebermanns, sieht Dr. Lucy Wasensteiner ihre Verantwortung in der Weiterentwicklung des Museums am Wannsee zum Liebermann-Kompetenzzentrum. Dabei wagt sie den Spagat zwischen internationaler blickerweiternder Vernetzung und regionalem bürgernahen Bezug, sie erklärt: „Die Liebermann-Villa muss mit ambitionierten Ausstellungs-Projekten und klugen Kooperationen internationalen Ansprüchen gerecht werden, ohne dabei die regionale Verwurzelung des Hauses aus dem Blick zu verlieren.“

Dr. Wasensteiner setzt auch auf Projekt-Kooperationen mit Museen der Umgebung und strebt die Zusammenarbeit mit dem direkten Villen-Nachbarn „Haus der Wannseekonferenz“ an, zu dem eine enge thematische Verbindung besteht.

Zur Erinnerung

1909 hatte Max Liebermann (1847-1935) für seine Familie das „Schloss am See“ als Sommerresidenz am Wannsee inmitten eines 7.000 Quadratmeter großen Gartens bauen lassen. In der Naturidylle entstanden mehr als 2.000 Gemälde des bereits zu Lebzeiten gefragten Künstlers. Die Motive dazu fand er in dem ganz nach seinen Vorstellungen angelegten Nutz-, Bauern-, und Heckengarten, seinem „Arkadien im Süden Berlins.“

1940 zwangen die Nationalsozialisten seine Witwe Martha zum Verkauf der Sommerresidenz. Martha Liebermann beging im Jahr 1943, einen Tag vor ihrer geplanten Deportation in das KZ Theresienstadt, Suizid.

Nach dem Krieg erhielten die Erben das Anwesen zurück und verkauften es an das Land Berlin, das darauf zuerst ein Krankenhaus und später einen Tauchclub unterbrachte. Der Garten verfiel vollständig.

25 Jahre Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e. V.

In diesem Jahr feiert die Liebermann-Gesellschaft ihr 25-jähriges Bestehen.

1995 gründeten Liebermann-Freunde die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin und erreichten, dass das kunsthistorisch wertvolle Ensemble unter Denkmalschutz gestellt wurde. Mit großen ideellen und materiellen Aufwendungen renovierte die Gesellschaft die Villa und rekonstruierte den Garten. Seit 2006 wird die Liebermann-Villa als Museum genutzt. Rund 80.000 Besucher aus aller Welt suchen jährlich das Gesamtkunstwerk aus Architektur, Natur und Kunst auf, das Sommer wie Winter gleichermaßen reizvoll ist und nach dem Museumsrundgang in Café und Garten Erholung pur am Ufer des Wannsees bietet.

Derzeit zählt die Max-Liebermann-Gesellschaft 2.118 Mitglieder, aus deren Mitgliedsbeiträgen und Spenden Villa und Garten unterhalten werden, da es keine öffentlichen Zuwendungen für Erhaltung und Betrieb des Ensembles gibt. Allein 120 Ehrenamtliche kümmern sich regelmäßig u. a. um den Garten. Und es ist der Gesellschaft mit zu verdanken, dass aktuell rund 160 Liebermann-Gemälde – überwiegend in Öl – sowie Pastelle und Druckgrafiken zum Bestand der Liebermann-Villa zählen.

So ist jedes neue Mitglied der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin willkommen, hilft es doch dabei, der Liebermann-Villa weiterhin eine angemessene Zukunft zu geben.

Dr. Lucy Wasensteiner ist sich der hohen Bedeutung der Max-Liebermann-Gesellschaft für das Museum bewusst und betont: „Sie hat in den letzten 25 Jahren eine sichere Basis für das Museum geschaffen.“ Darauf will die Direktorin aufbauen und zum weiteren organischen Wachstum beitragen, beispielsweise mit einem mittelfristig geplanten Fahrstuhleinbau oder mit der Erweiterung der Depotfläche.

Passend zum 25-jährigen Bestehen der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin, das mit einem Sommerfest gefeiert werden soll, läuft seit dem 22. März noch bis zum 1. Juni 2020 in der Liebermann-Villa die Sonderausstellung „MAX-LIEBERMANN-GESELLSCHAFT 25 – Die Entstehung eines Museums“. Die Ausstellung beleuchtet wichtige Meilensteine der Wiederherstellung des Liebermann-Gesamtensembles, lässt Beteiligte zu Wort kommen und resümiert Ausstellungserfolge und Veranstaltungshöhepunkte – mit Blick in die Zukunft. Und die dürfte mit der ebenso fachkundigen wie charmanten Direktorin Dr. Lucy Wasensteiner fest verbunden sein, die als Expertin die Beteiligung an aktuellen Diskursen wie Provenienzforschung, Inklusion und Finanzierung ebenso in den Vordergrund rücken will wie die Fortsetzung von Forschungsarbeit, Kooperationen und Sammlungsausbau.

Weitere Informationen unter www.liebermann-villa.de .

Jacqueline Lorenz

Anzeige
Stolpe-Apotheke

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2020