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Villenkolonie Grunewald

Opernsängerin Lilli Lehmann war eine der ersten Bewohnerinnen

Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal April/Mai 2020
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Detlef Blisse
Lilli Lehmann um 1902.
Lilli Lehmann um 1902.

Heute wäre Star die richtige Bezeichnung für Lilli Lehmann (1848 – 1929), die mit ihrem Gesang das Publikum in ihren Bann zog. Sie spielte an den ersten Opernhäusern der Welt. Nach ihrem Debüt in ihrer Geburtsstadt Prag im Jahr 1865 wurde sie bereits 1870 Mitglied der Hofoper in Berlin. 1885 folgte sie dem Ruf an die legendäre Metropolitan Oper in New York. In den Vereinigten Staaten blieb sie länger als geplant – denn als man ihre Bitte um Verlängerung in Berlin nicht nachkam, brach sie ihren Vertrag und tourte bis 1890 erfolgreich durch die USA. Kaiser Wilhelm II. soll persönlich dafür gesorgt haben, dass sie wieder an die Hofoper in Berlin zurückkam.

In diese Zeit fiel auch der Startschuss für den Bau der Villenkolonie im Grunewald. Lilli Lehmann war der Grunewald natürlich bekannt – als beliebtes Ausflugsziel. Als der Architekt und Regierungsbaumeister Solf die prominente Opernsängerin zu einer Besichtigung eines der ersten Landhäuser der Kolonie einlud, war sie begeistert. Schon am nächsten Mittag waren zwei Parzellen in der Villenkolonie ihr Eigentum. An der Herbertstraße 20 ließen sie und ihr Mann, der Hofopernsänger Paul Kalisch, ein Haus erbauen das sie 1891 bezogen.

Ihr Umfeld war skeptisch, ob sich die Künstlerin in der ruhigen Umgebung des Grunewalds auf Dauer wohl fühlen würde. Es gab Stimmen, die meinten, sie hielte es keine vier Wochen dort aus. Aber Lilli Lehmann fühlte sich in der schönen Umgebung und der guten Gesellschaft wohl. Sie arbeitete noch bis 1920 und schrieb ihre Memoiren sowie das Buch „Meine Sangeskunst“. An ihrem früheren Wohnhaus in Grunewald erinnert eine Gedenktafel an Lilli Lehmann.

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