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Mobilitäts-Hub

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Januar 2019

Die BVG plant in zahlreichen Bereichen der Stadt sog. „Mobilitäts-Hubs“ d. h. auf Deutsch Verkehrsknotenpunkte einzurichten. Dort sollen die Fahrgäste nicht nur in Busse umsteigen können, sondern auch andere Möglichkeiten zur Weiterfahrt (z. B. Fahrräder, Car Share) und weitere Serviceangebote in Anspruch nehmen können. Zur Umsetzung dieses Konzepts wären sicher Umbauten von Vorplätzen in den Bezirken erforderlich. Hierzu liegen der BVV entsprechende Fraktionsinitiativen vor. Im Folgenden äußern sich die Fraktionen in der BVV-Steglitz-Zehlendorf zu diesem Thema.

CDU-Fraktion

Die CDU-Fraktion begrüßt den geplanten Mobilitäts-Hub vor dem Rathaus Zehlendorf. Wie wäre es, wenn man immer das Verkehrsmittel parat hätte, das alle Mobilitätswünsche erfüllt? Wie wäre es, wenn alle Verkehrsmittel so einfach verfügbar sind, dass man sie komfortabel nutzen und leicht miteinander kombinieren kann, wenn Busse, Bahnen und neue Sharing-Mobilitätsangebote in einer App gebucht werden können? Die neuen BVG-Mobilitätshubs verknüpfen erstmals ÖPNV- und Sharing-Angebote und bieten zusätzliche Services an zentralen Orten. Wir stärken den Umweltverbund aus Gemeinschaftsverkehren, Rad- und Fußverkehr und lenken die Berliner in öffentliche Verkehrsmittel. Wir schaffen eine Alternative zum ständig steigenden privaten Autoverkehr, leisten einen Beitrag zu den Klima-, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitszielen und steigern so die Lebensqualität im Bezirk. Wir fördern die Standortentwicklung am Rathaus mit neuen Mobilitäts- und Serviceangeboten. Der Hub bietet so viele Mobilitätsangebote wie kaum ein anderer Ort in Berlin und bündelt sie erstmals in Zehlendorf-Mitte, idealerweise mit Sichtkontakt zum S-Bhf. Zehlendorf und direktem Zugang zum Rathaus am Teltower Damm!

Jens Kronhagel

SPD-Fraktion

Die SPD begrüßt die Erstellung eines Mobilitätshubs – aber nicht an dieser Stelle. Gegen diesen Standort spricht vieles: Zwischen denkmalgeschützten Gebäuden passt kein Elektrofuhrpark. Zum Beispiel am U-Bhf. Oskar-Helene-Heim durfte wegen des Denkmalschutzes keine Toilette gebaut werden.

Der Teltower Damm leidet unter übermäßigem Verkehr, besonders im Engpass der S-Bahnbrücke stehen die Autos ständig im Stau. Die Elektrofahrzeuge wären erstmal ein zusätzlicher Verkehr. Dazu kommt, dass es in den nächsten Jahren drei große Baustellen geben wird. Der Umbau der S-Bahnbrücke, die neue Durchwegung des Postplatzes und die Umgestaltung des Rathauses stehen in den nächsten Jahren an. Die Carsharing-Anbieter haben ihr Geschäftsgebiet erst vor kurzem eingeschränkt. Sie wollen nicht in die Randgebiete. Wir können uns an anderer Stelle, wie z. B. an der Hampsteadstraße, am Breitenbachplatz oder Rathaus Lankwitz einen Mobilitäts-Hub gut vorstellen.

Juliana Kölsch

B‘90/Grünen-Fraktion

Die BVG möchte am S-Bhf. Zehlendorf beginnen mit einem Mobilitätshub: wer mit Rad, Elektro-Roller oder Leihauto unmittelbar weiterfahren will, wird das in Zukunft an vielen Stationen per BVG-App komfortabel aussuchen können. Ganz, wie es abends oder mit viel Einkauf passt. Diesen Qualitätssprung im öffentlichen Nahverkehr unterstützen wir sehr.

Für den Komfort ist auch wichtig, dass dieser Hub dicht am U- oder S-Bahnhof liegt. Das gilt gerade für den ersten BVG-Hub in Berlin am S-Bahnhof Zehlendorf: er muss gut sichtbar nah am S-Bhf. sein, damit das neue Angebot entdeckt werden kann.

Es gibt immer wieder Hindernisse, die einen Standort ungeeignet werden lassen. Deswegen halten wir es für falsch, schon jetzt z. B. den Platz vor dem Rathaus auszuschließen, die Gründe finden wir wenig überzeugend. Die von der SPD genannte Alternative hinter dem Standesamt ist völlig ungeeignet. Alternativ soll auch der Platz südlich des S-Bhf. geprüft werden.

Mit dem Angebot der BVG bekämen wir da, wo es besonders große Zeitvorteile generiert, Leihfahrzeuge, während sich andere Anbieter immer mehr Richtung Innenstadt zurückziehen. Danke, BVG!

Bernd Steinhoff

AfD-Fraktion

Unpünktlich, überfüllt oder kommt gar nicht!“, poltert die Mutter los, als ich sie auf die Zufriedenheit um die BVG anspreche. „Ich nutze seit 30 Jahren die BVG. Seit fünf Jahren wird es immer schlimmer!“ „Dafür bekommen Sie aber nun einen Mobilitäts-HUB direkt vor das Rathaus,“ entgegne ich. „Ein was?“ Große Augen schauen mich ratlos an. Ich erkläre: „Dank den Grünen werden jetzt sog. Mobilitäts-Hub aufgebaut. Dort können sich Bürger dann Fahrräder und Roller ausleihen und Carsharing-Autos nutzen. „Ich habe keinen Führerschein, brauchte ich nie!“, entgegnet sie. Ihr Bus kommt, sie drängelt sich mit den Kindern rein. Der Mutter ist mit dem Hub eher nicht geholfen. Der Hub ist eine billige PR-Nummer, das sagen auch die Vertreter der BVG, die seitens des Senats angehalten sind, einen Beitrag zur „Verkehrswende“ im Sinne des „Mobilitätsgesetzes“ zu leisten. Die AfD findet Carsharing gut, doch nicht die PR-Nummer für Grünen-Politik. Mobilität muss im Sharing an jeder Ecke verfügbar sein – das ist ja der Clou. Doch Grünen geht es nicht um Logik – nur um ihre Ideologie und die CDU hofft darauf, etwas vom „Öko-Glanz“ der Nummer zu erhaschen.

Peer Lars Döhnert

FDP-Fraktion

Die Freien Demokraten (FDP) unterstützen die Einrichtung eines Mobilitätshub durch die BVG in Zehlendorf-Mitte, auch wenn es noch viele Fragen zu klären gilt. Mit ihrem Mobilitätshub präsentiert uns die BVG eine innovative Idee, wie der ÖPNV „neu gedacht“ werden kann. Ein Mobilitätshub soll ergänzende Angebote zum ÖPNV bündeln und Zehlendorf soll einen der ersten außerhalb des S-Bahn-Ringes erhalten. Soviel Engagement für unseren Bezirk begrüßen wir sehr. Als Standort ist die Parkbucht am Teltower Damm vor dem Rathaus geplant. Dort sollen neben Fahrradgaragen auch Carsharingangebote, Ladesäulen für Elektroautos, wie auch für E-Bikes und E-Scooter Platz finden. Vorgesehen sind auch Leihräder, mit denen ÖPNV-Nutzer bequem ihre Fahrt fortsetzen können. Jedoch ist uns die BVG bislang die Antwort schuldig geblieben, wie das alles an diesen doch begrenzten Standort passen soll. Unklar ist auch, wie z. B. ein geliehenes Fahrrad zum Hub zurück kommt. Auch soll Zehlendorfs Mitte eigentlich entlastet werden. Ob ein Hub da hilfreich ist, bleibt offen. Dennoch sollte Zehlendorf die Gelegenheit nutzen und endlich einmal Vorreiter sein.

Andreas Thimm

Linksfraktion

Die BVG sucht derzeit nach Möglichkeiten, die Idee eines Mobilitätshubs als Pilotprojekt umzusetzen. Das heißt, es wird ausreichend Platz benötigt für die Aufstellung von Leihfahrrädern, E-Bikes und es müssen Parkplätze geschaffen werden für Car-Sharing-Fahrzeuge sowie für Stromzapfsäulen. Wir bezweifeln, dass der Standort am S-Bahnhof Zehlendorf für ein solches Pilotprojekt gut geeignet ist: das Verkehrsaufkommen ist bereits sehr hoch, der Platz begrenzt, die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer*innen kommen sich bereits jetzt häufig genug in die Quere. Es gibt derzeit Überlegungen, den S-Bahnhof und die Umgebung neu zu gestalten. Mit dem Pilotprojekt der BVG würden aber heute schon Fakten im Sinne einer bestimmten Infrastruktur geschaffen. Welchen Einfluss hätte dies auf die Umgestaltung?

Neubaugebiete von vorneherein mit einem Mobilitätshub auszustatten, um einerseits die Anbindung an den ÖPNV zu gewährleisten, andererseits die Nutzung desselben attraktiver zu machen und den Individualverkehr einzudämmen, würde durchaus Sinn ergeben. Darüber in der BVV zu diskutieren, ist die Linksfraktion Steglitz-Zehlendorf gerne bereit.

Pia Imhof-Speckmann

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