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Jahrhundertzeugin Tilla Durieux

Ausstellung im Georg Kolbe Museum

Tilla Durieux Porträt-Aufnahme. Fotograf: Alex Binder
Tilla Durieux Porträt-Aufnahme. Fotograf: Alex Binder
Erschienen in Gazette Charlottenburg August 2023
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Markisen

Gefeierter Theater- und Filmstar, politische Aktivistin, Berliner Ikone und wohl eine der meistporträtierten Frauen ihrer Zeit. Die Rollen von Tilla Durieux (1880, Wien–1971, West-Berlin) waren ebenso vielfältig wie auch die Liste der Künstler, denen sie Modell saß: unter ihnen Max Slevogt, Lovis Corinth, Franz von Stuck, Ernst Barlach, August Gaul und viele andere. Diese Darstellungen in unterschiedlichsten Medien entstanden über einen Zeitraum von rund 70 Jahren und zeigen Durieux im Spiegel ihrer Zeit. Das Georg Kolbe Museum widmet der vielseitigen Persönlichkeit und ihrem bewegten Leben eine umfassende Ausstellung, die auch die Geschichte einer gebrochenen Moderne erzählt.

200 Werke

„Tilla Durieux. Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen“ umfasst rund 200 Werke und gibt umfassende Einblicke in die Kultur- und Theatergeschichte ihrer Lebzeit. Die in Wien geborene Ottilie Helene Angela Godeffroy wollte seit ihrer Kindheit auf der Bühne stehen und änderte dafür ihren Namen in Anlehnung an den Namen der Großmutter zu Tilla Durieux. Nach einer Schauspielausbildung in ihrer Heimatstadt Wien schaffte es Durieux über Stationen in Olmütz und Breslau 1903 auf die Bühne des Intendanten und Regisseurs Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin.

Sozial engagiert

Als sie 1902 ihren ersten Ehemann Eugen Spiro in Breslau kennenlernte, standen beide am Beginn ihrer Karrieren. In der Ausstellung im Georg Kolbe Museum ist zu sehen, wie der Maler und Grafiker seine Frau im privaten Umfeld porträtierte und so Momente des vertrauten gemeinsamen Glücks festhielt, wie zum Beispiel Tilla Durieux am Flügel (1907) oder Dame mit Hund (1905) Der Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer war ab 1910 Durieux‘ zweiter Ehemann. Tilla Durieux war Zeit ihres Lebens sozial und politisch engagiert. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg veranstaltete sie Kindergesellschaften für sozial schwache Kinder und rezitierte in ihrer Freizeit gemeinsam mit dem Pianisten und späteren Politiker Leo Kestenberg in den Arbeitervierteln von Berlin deutsche Klassiker. Dabei lernte sie auch Rosa Luxemburg kennen, der sie später monatlich eine finanzielle Zuwendung gab.

Zwei Weltkriege

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs arbeitete Durieux als Krankenschwester in Berlin, beendete jedoch bald ihren Dienst und engagierte sich fortan für den Frieden. Auch im Schweizer Exil ab 1917 versammelte das Ehepaar einen Kreis von Kulturschaffenden und Intellektuellen um sich. Aber Cassirers psychische Probleme wurden durch seine Erfahrungen an der Front verstärkt und nachdem Tilla Durieux 1926 die Scheidung einreichte, unternahm Paul Cassirer einen Selbstmordversuch, an dessen Folgen er bald darauf starb. Als Durieux‘ dritter Ehemann, der Industrielle und Kunstsammler Ludwig Katzenellenborgen sein Vermögen verlor, finanzierte sie ihr gemeinsames Leben und die spätere Flucht vor den Nationalsozialisten durch Gastspielauftritte sowie den Verkauf von Schmuck und Bildern. Ab In Abwesenheit von Durieux wurde Katzenellenbogen nach Berlin verschleppt, wo er nach einer KZ-Internierung 1944 starb. 1955 kehrte die Schauspielerin endgültig nach Berlin zurück. Am 21. Februar 1971 verstarb Tilla Durieux 90-jährig in Berlin und wurde auf dem Friedhof Heerstraße begraben. Neben zahlreichen Bühnenauftritten, Dreharbeiten, Gastspielen, Lesungen und Vorträgen bis ins hohe Alter ordnete Durieux ihren Nachlass und bestimmte so selbst über das Bild ihrer bemerkenswerten Persönlichkeit, welcher die Ausstellung im Georg Kolbe Museum nachspürt.

Die Ausstellung wird bis zum 20. August im Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin gezeigt. Weitere Informationen unter www.georg-kolbe-museum.de

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