Gazette Verbrauchermagazin

DICH RETT´ICH-Projekt erfolgreich gestartet

Zweite Chance für braune Banane & Co

Foto: Joris Felix Patzschke/ RESTLOS GLÜCKLICH
Foto: Joris Felix Patzschke/ RESTLOS GLÜCKLICH
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juli 2023
Anzeige
Reiseland am Bayerischen PlatzKieferorthopädie an der KaisereicheCReativbad GmbH

„Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft aus älterem Obst einen Smoothie zu mixen, zum Beispiel aus braunen Bananen“, erklärt der neunjährige Alexander am Ende seines Grundschul-Workshops, womit das Bildungsprojekt DICH RETT´ICH in Berlin in diesem Frühjahr u. a. mit Schülerinnen und Schülern der Schöneberger Grundschule am Barbarossaplatz und der Zehlendorfer Johanna Gerdes Grundschule an den Start gegangen ist. Der gemeinnützige Schöneberger Verein „Restlos Glücklich“ will im Rahmen von insgesamt 75 Workshops in Kooperation mit Lidl auch im kommenden Schuljahr Grundschüler ab der dritten Klasse in ganz Berlin und Baden-Württemberg für eine bessere Wertschätzung und einen bewussten Konsum von Lebensmitteln sensibilisieren (die GAZETTE berichtete im Dezember 2022) und sie zu nachhaltig engagierten Lebensmittelrettern ausbilden.

Sowohl die Aussagen der Projektausrichter als auch die durch Lehrkräfte erfolgte Evaluierung zeigen ein durchweg positives Ergebnis der ersten zehn Berliner Workshops, von denen insgesamt 59 in der Hauptstadt stattfinden sollen. Und nicht zuletzt die vielen begeisterten Kommentare der ausgezeichneten kleinen Lebensmittelretter sprechen für sich.

Im Unterricht richtigen Umgang mit Lebensmitteln lernen

Mehr als zufrieden über den gelungenen Projektstart zeigt sich auch Nina Carryer, Projektkoordinatorin bei „Restlos Glücklich“: „Die Lehrkräfte haben unser Angebot sehr gut angenommen und sind dankbar, mit unserem Projekt zum Thema Lebensmittelverschwendung wertvolle Unterrichtsbegleitung zu erhalten. Denn im Lehrplan ist diese Thema nur schwer unterzubringen, spricht es doch fachübergreifend unterschiedlichste Bereiche wie gesunde Ernährung, sinnvolles Einkaufen, Nahrungsbestandteile oder Tierwohl an.“

– Sinnvoll daher der Ansatz des Vereins, spielerisch auf dieses Thema aufmerksam zu machen und es für die Zukunft in den Alltag der kleinen Leute zu integrieren. Längst hat sich das Projekt DICH RETT´ICH unter den Lehrkräften herumgesprochen, und auf der Warteliste – die noch weiteren Interessenten offensteht – sind bereits nach dem Motto „wer zuerst kommt, malt zuerst“ Klassen aus ganz Berlin eingetragen.

Doch wie läuft eigentlich so ein vier Unterrichtseinheiten à 45 Minuten umfassender Workshop-Tag ab, der von Nina Carryer und der Projektmitarbeiterin Kerstin Kraus in den Schulen fachkundig angeleitet wird?

Lebensmittelverschwendung Beispiel Cheeseburger

Zuerst gilt es zu erfahren, was die zukünftigen kleinen Lebensretter denn schon über Lebensmittel und deren Verschwendung wissen. Dazu wird mit ihnen am Beispiel Cheeseburger spielerisch entwickelt, was so alles an Mühe, Arbeit und Grundstoffen in unserer Nahrung steckt. Mithilfe der bei Kindern bekannten Spielutensilien Lego oder Playmobil werden dann wichtige Punkte wie beispielsweise Arbeit, Zeit und Geld, Wasser und Tiere, die als Grundlage der Cheeseburger-Herstellung eingesetzt werden, „zum Anfassen“ nähergebracht: in Form von Mähdrescher, Arbeiter, Wasserflasche und Plastikkuh lernen die Schüler, diese wesentlichen Bestandteile mit einem Cheeseburger in Verbindung zu bringen. Im anschließenden Gedankenspiel wird gefragt: Doch was geschieht mit denen, wenn der Burger achtlos im Müll entsorgt wird? Ehe man sich´s versieht, wandern da von Kinderhand Plastikkuh, Mähdrescher, Lego-Arbeiter und Wasserflasche in den Müllsack – als Symbole für das so unüberlegt weggeworfene Lebensmittel und die damit verschwendeten Ressourcen.

Um den Bezug zum Alltag der Schüler anschaulich herzustellen und auch den ideellen Wert eines Lebensmittels zu vermitteln, wird Oma ins Spiel gebracht, und es wird gefragt: „Wie fühlt sich eigentlich Deine Oma, wenn der Kuchen, den sie extra für Dich gebacken hat, einfach im Müll landet?“

Mit dem aus diesem Workshop-Teil erworbenen Wissen geht es schließlich ins 1, 2 oder 3-Quiz, das dieses Erlernte vertieft. Im Improvisationstheater-Spiel können die Kinder dies schließlich anwenden und spielerisch verarbeiten.

Lebensmittelretter im Alltag

Wie sich das im Workshop Vermittelte Lebensmittel-wertschätzend auf den Küchenalltag Zuhause übertragen lässt – auch das ist ein wichtiges Projektziel: Da räumen die jungen Workshop-Teilnehmenden in einer weiteren Unterrichtseinheit den Kühlschrank sinnvoll ein und sind mit allen Sinnen dabei, wenn es darum geht, mittels eines extra entwickelten „Forscherbogens“ ein im Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufenes Lebensmittel zu beurteilen. Wie sieht es aus, wie riecht es, – und wie schmeckt es? Wie kann ich die schrumpelige Möhre, den harten Käse oder die braun gewordenen Banane noch appetitlich und ganzheitlich verwenden? – Ein gemeinsam erarbeitetes Poster dazu und eigenes Arbeitsheft erinnern auch später nach dem Workshop die Klasse weiter daran, wie man derartige Lebensmittel verbrauchen kann, anstatt sie einfach in die Tonne zu werfen.

Wertvolle Grundausstattung der Workshops sind die von Lidl angebotenen „Rettertüten“, in denen nicht mehr ganz einwandfreies Obst und Gemüse eine zweite Chance erhält.

Und so kann der neunjährige Alexander daraus am Ende des Workshop-Tages einen leckeren Smoothie mixen und gemeinsam mit den Kursteilnehmern auf ihre frisch erworbenen Lebensmittelretter-Urkunden anstoßen. Dazu erklärt er: „Mir hat der Workshop sehr gefallen. Man kann hier ganz viel neues lernen über Lebensmittel. Die Spiele fand ich toll und das Allerbeste war der Smoothie, den haben wir aus geretteten Lebensmitteln gemacht.“

Was noch zu sagen wäre...

erklären hier weitere frisch gebackene Lebensmittelretter:

Lianne, 9 Jahre: „Mir haben vor Allem die Spiele und das Arbeitsheft gefallen. Im Arbeitsheft gibt es nämlich Kochrezepte – die will ich zu Hause nachmachen.

Ich finde es wichtig, dass auch andere Kinder wissen, dass man nicht so viel Essen verschwenden sollte. Denn auch Lebensmittel, die nicht mehr so schön oder etwas verschrumpelt sind, kann man noch essen. Ich werde auch meiner Familie erzählen, was ich heute gelernt habe – dass man Lebensmittel nicht so verschwenden sollte. Wir machen zu Hause auch manchmal Smoothies, aber eine so reife, etwas braune Banane haben wir bisher nicht reingemacht. Wir dachten, die ist zu alt. Aber sie schmeckt. Man kann auch Obst in einen Smoothie machen, das schon etwas älter oder verschrumpelt ist.“

Und der neunjährige Omar erklärt: „Mich hat sehr überrascht, dass ein Mensch pro Jahr einfach mal 90 kg Lebensmittel verschwendet. Das ist voll viel. Ich hab‘ mir vorgenommen, dass ich beim Einkaufen im Supermarkt öfter die Dinge nehme, die nicht mehr so lange haltbar sind. Lebensmittel müssen nicht gerade sein oder schön aussehen, damit sie lecker schmecken. Sie können auch krumm sein oder so. Es ist egal, ob eine Mohrrübe gerade ist oder „kleine Beinchen“ hat.“

Weitere Projekt-Informationen unter www.restlos-gluecklich.berlin/dich-rett-ich

Jacqueline Lorenz

Titelbild

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2023