31.10.2026: Drei schlichte Zimmermannsnägel, zusammengefügt zu einem Kreuz: Was unscheinbar wirkt, gilt weltweit als eines der stärksten Symbole für Frieden und Neuanfang. Ende Oktober bekam die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde dieses traditionsreiche Nagelkreuz von Coventry verliehen und wird damit offiziell als internationales Versöhnungszentrum anerkannt.
Internationale Versöhnung
Die Ursprünge der Nagelkreuzgemeinschaft liegen im Zweiten Weltkrieg. Als die deutsche Luftwaffe im November 1940 die mittelalterliche Kathedrale im englischen Coventry zerstörte, rief der damalige Dompropst Richard Howard nicht nach Vergeltung, sondern mahnte zur Vergebung. Aus drei großen Dachnägeln der Kirchenruine ließ er das erste Kreuz formen. Heute verbindet dieses Zeichen Gemeinschaften auf fünf Kontinenten.

Dass die Ehrung nun nach Schöneberg geht, knüpft an eine historische Verbindung: Der frühere Gemeindepfarrer Adolf Kurtz, ein engagiertes Mitglied der regimekritischen Bekennenden Kirche, wirkte nach Kriegsende in England selbst am Aufbau der Gemeinschaft mit.
Gräben überwinden
Bis heute versteht sich die Zwölf-Apostel-Gemeinde als Ort, der Gräben überwinden will – auch bei gesellschaftlich kontroversen Themen. Sichtbar wird dies unter anderem im Dialog der Religionen, bei der Lebensmittelausgabe für Bedürftige oder im vergangenen Jahr, als die Gemeinde Aktivisten der Protestgruppe „Letzte Generation“ vorübergehend ein Dach über dem Kopf bot. Künftig sollen regelmäßige Andachten rund um das Nagelkreuz das Gemeindeleben prägen.
Mit der Aufnahme wird die Kirche an der Apostelstraße der neunte Standort in Berlin und der zweite im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. Zur feierlichen Übergabe reiste hoher Besuch aus England an: Die Dekanin der Kathedrale von Coventry, Kate Massey, hielt die Predigt im Festgottesdienst.