Charlottenburg
„Zu dumm, daß ich nicht ‚namhaft‘ bin.“
Ausstellung über die Architektin Marlene Poelzig in der Villa Oppenheim

19.10.2026: Wer am Haus des Rundfunks an der Masurenallee vorbeikommt oder das frühere Kino Capitol am Zoo vor Augen hat, denkt meist an Hans Poelzig. Doch eine wesentliche Handschrift dieser Ikonen der Berliner Moderne stammte von einer Frau: Marlene Poelzig. Jahrzehntelang stand das Schaffen der Bildhauerin, Architektin und Designerin im Schatten ihres berühmten Ehemanns. Eine neue Ausstellung im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf bringt ihr vielschichtiges Werk nun ins Licht.
Viele Anwohner im Bezirk dürften sich noch an das Jahr 2020 erinnern: Damals kämpfte eine Bürgerinitiative vergeblich gegen den Abriss ihres ehemaligen Wohn- und Atelierhauses im Westend – erbaut nach den Entwürfen von Marlene Poelzig. Zwar ging das Gebäude verloren, doch der Protest wirkte nach und brachte die Debatte über Poelzigs architektonisches Erbe und der Umgang mit Werken von Architektinnen ins Rollen.
Marlene Poelzig (1894–1985) prägte das Berlin der 1920er-Jahre als Experimentierfeld für Neue Sachlichkeit und Expressionismus entscheidend mit. Das gemeinsame Bauatelier mit Hans Poelzig brachte wegweisende Entwürfe hervor, bevor der Nationalsozialismus ihrer künstlerischen Entwicklung ein jähes Ende setzte. Dass ihr Schaffen später in den Hintergrund geriet, kommentierte sie einst selbst mit bitterer Ironie – daher rührt auch der Titel der Ausstellung: „Zu dumm, daß ich nicht ‚namhaft‘ bin.“
Konzipiert von der Initiative Haus Marlene Poelzig und dem Verein Urbanophil, konzentriert sich die Schau auf drei Charlottenburger Schlüsselbauten: das Rundfunkhaus, das Kino Capitol am Zoo und das 2021 abgerissene Haus in Westend.
Die Ausstellung wird am Sonntag, 25. Oktober 2026, um 12 Uhr in der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55/Otto-Grüneberg-Weg, eröffnet und läuft bis zum 18. April 2027. Das vom Bezirkskulturfonds geförderte Projekt wird von Führungen, Filmveranstaltungen und Werkstätten begleitet. Informationen zum Programm gibt es unter www.villa-oppenheim-berlin.de.
