Schöneberg
Ein Schöneberger im Eis
Der Glaziologe und Polarforscher Fritz Loewe

13.02.2026: Fritz Loewe (1905 – 1974) wurde als Sohn des Landgerichtsrats Eugen Loewe und seiner Frau Hedwig, geborene Makower, In Schöneberg, damals noch zum Landkreis Teltow gehörend, geboren. Loewe besuchte von 1908 bis 1913 das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin.
Ausbildung nach dem Ersten Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs diente Loewe vier Jahre als Artilleriefunker an der Ost- und Westfront und wurde mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse dekoriert. Nach dem Krieg setzte er sein Jura-Studium nicht fort, sondern studierte Physik, Geografie und Meteorologie in Berlin und promovierte 1924 mit der Dissertation „Die geographische Verbreitung der Niederschläge in Afrika“. Loewe wurde Assistent von Carl Dorno am Physikalisch-Meteorologischen Observatorium in Davos und später am Meteorologisch-Magnetischen Observatorium in Potsdam und am Preußischen Aeronautischen Observatorium Lindenberg. Er führte meteorologische Beobachtungen aus dem Flugzeug durch und maß die kosmische Strahlung auf dem Jungfraujoch. 1925 lernte er seine spätere Frau Else Koestler kennen, die er 1927 heiratete.
Expeditionen ins Eis
Loewe nahm 1929 an Alfred Wegeners Vorbereitungsexpedition nach Grönland teil und lernte dabei weite Teile Westgrönlands und die wichtigsten Gletscher kennen. Er war auch an den ersten seismischen Messungen zur Bestimmung der Eisdicke beteiligt. Die Hauptexpedition 1930-1931 startete unter ungünstigen Vorzeichen. Früher als sonst setzten Schneestürme ein, so dass ein Großteil der Expeditionsmitglieder umkehrte. Loewe, Alfred Wegener und Rasmus Villumsen erreichten die Station Eismitte, die im Wesentlichen aus einer Höhle im Eis bestand. Sie wollten zwei andere Wissenschaftler ablösen. Loewes Zehen erfroren an den letzten Reisetagen und mussten vor Ort amputiert werden. Er überwinterte im Schlafsack in Eismitte. Wegener und Villumsen kehrten um und starben auf dem Rückweg.

Emigration nach England
1934 verlor Fritz Loewe seinen Arbeitsplatz, da er Jude war. Er wanderte mit seiner Familie nach England aus. Dort bekam er ein einjähriges Stipendium vom Scott Polar Research Institute, das jedoch verlängert wurde. Er hielt Vorlesungen an der Universität Cambridge und begann mit den ersten Studien zur Antarktis. 1937 Loewe von der Universität Melbourne nach Australien eingeladen und zog mit seiner Familie dorthin um. Er arbeitete an der Universität Melbourne als Hochschullehrer, baute das erste universitäre meteorologische Institut Australiens auf und leitete es mehr als zwanzig Jahre.
Forschung in der Antarktis
Ab 1947 wandte sich Loewe wieder antarktischen Fragestellungen zu und nahm an der gescheiterten Fahrt der HMAS Wyatt Earp teil. 1950 gehörte er zu dem Ream, der die französische Station Port Martin aufbaute und nahm im Feolgejahr an einer französischen Expedition in die Antarktis teil. Damit war er der erste Deutsche, der sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis überwintert hatte.
Ehrung in Deutschland
Loewe arbeitete zwischen 1961 und 1973 als Gastprofessor am Polarinstitut der Ohio State University. Zeitweise hielt er sich wieder in Deutschland auf - im Wintersemester 1965/66 hielt er Gastvorlesungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er blieb bis ins hohe Alter wissenschaftlich aktiv und veröffentlichte etwa 200 Publikationen. In Deutschland wurde er mit der Karl-Weypecht-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung geehrt.
