Wannsee
Mythos Schwanenwerder
Neues Buch über die exklusivste Insel am Wannsee

29.09.2026: Der im Berliner Südwesten lebende Journalist Frank Schüttig hat sich auf eine historische Spurensuche begeben. In seinem neu erschienenen Buch „Schwanenwerder: Trauminsel am Wannsee“ aus dem BeBra-Verlag nimmt er die Leserinnen und Leser mit auf eine aufwändig recherchierte Zeitreise, die mehr ist als eine bloße Aufzählung von Grundstücksverkäufen. Schüttig rückt die Lebensgeschichten der Menschen in den Mittelpunkt, die diesem Ort ihren Stempel aufgedrückt haben.
Alles begann mit einer echten Vision: Im Jahr 1882 erwarb der Lampenfabrikant Friedrich Wessel das damals noch weitgehend kahle Eiland, das man schlicht „Cladower Sandwerder“ nannte. Er ließ Bäume pflanzen und ließ die Tuilerien-Säule aufstellen, die aus dem Palais de Tuileries in Paris stammte. So legte er den Grundstein für eine mondäne Villenkolonie. Doch noch war der „Cladower Sandwerder“ noch kein echter Verkaufsschlager. Ein neuer Name musste her: Im Jahr 1901 genehmigte Kaiser Wilhelm II. den Namen „Schwanenwerder“. Die Lage und der neue Name überzeugten – wenig später verbrachten wohlhabende Größen der Berliner Gesellschaft dort bereits ihre Sommerfrische. In den Goldenen Zwanzigern war die Insel der Rückzugsort schlechthin für das Berliner Großbürgertum. Dieser enorme Status manifestierte sich später sogar auf dem Spielbrett: In der Monopoly-Ausgabe von 1936 bildete die Inselstraße auf Schwanenwerder das teuerste Pflaster des gesamten Spiels – noch vor der Schlossallee.
Die Lektüre verschweigt jedoch die düsteren Kapitel der Inselgeschichte keineswegs. Die scheinbare Idylle wurde durch den Nationalsozialismus jäh zerstört. Das Buch schildert bedrückend und sachlich, wie jüdische Eigentümer skrupellos aus ihren Häusern vertrieben wurden. An ihrer Stelle machten sich alsbald Funktionäre wie Propagandaminister Joseph Goebbels und Hitlers Leibarzt Theodor Morell in den beschlagnahmten Villen breit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wendete sich das Blatt abermals. Die verlassenen Anwesen dienten zeitweise amerikanischen Alliierten wie General Lucius D. Clay als Quartier. In den Jahrzehnten danach zog erneut Prominenz aus Wirtschaft und Kultur an den Wannsee. Der Verleger Axel Springer soll hier seine Idee für die Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ entwickelt haben, und auch der Kabarettist Dieter Hallervorden schätzte die Ruhe der Insel.
Das 160 Seiten starke Buch „Schwanenwerder Trauminsel am Wannsee“ mit ca. 30 Abbildungen ist im BeBra Verlag erschienen und für 20 Euro im Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-8148-0353-1.
