01.11.2026: Zwischen Wohnhäusern an der Goßler-, Stubenrauchstraße und Bundesallee gab es in Friedenau einst den Georg-Hermann-Garten, heute sind dort ein Spielplatz und das Gelände des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Der Ort war einem Mann gewidmet, dessen Worte viele Leserinnen und Leser fesselten.

Romane aus dem Biedermeier

Geboren wurde er 1871 als Georg Borchardt (1871 - 1943) in eine alteingesessene jüdische Kaufmannsfamilie. Unter dem gewählten Künstlernamen Georg Hermann – Hermann war der Vorname seines Vaters - entwickelte er sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu einem Stern am Literaturhimmel. Vor allem mit seinem Roman „Jettchen Gebert“ aus dem Jahr 1906 – verfilmt 1918 - eroberte er ein großes Publikum. Darin schilderte er sehr detailliert das deutsch-jüdische Bürgertum in der Zeit des Berliner Biedermeier. Weil er die Wohnverhältnisse, die Straßen, die Menschen und die Stimmung der Hauptstadt so feinfühlig und präzise einfing, gaben ihm seine Leser und Kritiker bald einen ehrenvollen Spitznamen: Man nannte ihn den „jüdischen Fontane“.

Milieustudien mit Augenzwinkern

Seine wohl produktivsten Jahre verbrachte der Schriftsteller direkt im heutigen Ortsteil von Tempelhof-Schöneberg. Von 1901 bis 1906 lebte und arbeitete er in Friedenau, nahe der Stubenrauchstraße und der damaligen Kaiserallee – der heutigen Bundesallee. Hier fand er die nötige Ruhe für seine genauen und oft liebevoll-ironischen Milieustudien. Friedenau war für ihn ein idealer Rückzugsort, den er mit einem Augenzwinkern als „Eldorado der Tonzwerge“ bezeichnete.

Tod in Auschwitz

Doch das Leben des Berliner Literaten fand ein grausames Ende. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen, wurden Georg Hermanns Bücher aus den Regalen verbannt und öffentlich verbrannt. Der Autor musste fliehen und emigrierte mit seiner Familie in die Niederlande. Nach der Besetzung Hollands durch deutsche Truppen wurde der inzwischen alte und kranke Schriftsteller interniert und am 19. November 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Erinnerung im Stadtbild

Was von ihm bleibt, ist sein literarisches Vermächtnis, das ein facettenreiches Bild des alten Berlins bewahrt hat. Im Jahr 1962 wurde in dem ehemaligen Georg-Hermann-Garten nahe der Bundesallee ein Gedenkstein für ihn aufgestellt, der an eine traditionelle jüdische Grabstele erinnert. Diese befindet sich heute auf dem Gelände der Ganztagsbetreuung für Schulkinder des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Von 1931 bis zu seiner Flucht 1933 wohnte er in der Künstlerkolonie, in der eine Gedenktafel am Haus Kreuznacher Straße 28 an den Schriftsteller erinnert.