Schöneberg
Der weltberühmte Nachbar aus der Hauptstraße
Vor 50 Jahren zog David Bowie nach Schöneberg

15.07.2026: Hauptstraße 155: Wer heute an dem unscheinbaren Altbau vorbeigeht, stößt auf eine weiße Porzellantafel. Sie erinnert an einen der berühmtesten Bewohner, die der Bezirk je hatte. Im Jahr 1976 zog ein junger, von den Exzessen des Showbusiness ausgezehrter Brite hier ein. Sein Name: David Bowie.
Kreativer Neuanfang
Auf der Flucht vor dem Drogenrausch und dem Scheinwerferlicht von Los Angeles suchte der Musiker im damaligen West-Berlin nach Anonymität und einem kreativen Neuanfang. Gemeinsam mit seinem Weggefährten Iggy Pop mietete er eine großzügige Wohnung im ersten Stock des Schöneberger Altbaus. In der geteilten Stadt, die damals als raues Biotop für Kulturschaffende und Freigeister galt, fand Bowie genau das, was er brauchte: Ruhe im Alltäglichen.
Unerkannt unterwegs
Seinen Tag begann der Künstler oft erst am späten Vormittag. Gegen 11 Uhr zog es ihn meist in das direkt nebenan gelegene Lokal „Anderes Ufer“ (heute „Neues Ufer“). Das Café war damals eine Pionierinstitution – eines der ersten offen schwul-lesbischen Cafés der Republik. Hier saß Bowie weitgehend unerkannt bei einem Espresso, las Zeitung oder unterhielt sich mit den Gästen. Seine Streifzüge durch die Berliner Clubszene endeten zwar oft erst um 3 Uhr nachts, doch die Hauptstraße blieb sein privater Rückzugsort, an dem er einfach nur ein Nachbar unter vielen sein konnte.

Drei Alben
Diese unspektakuläre Normalität setzte ungeahnte kreative Kräfte frei. In seiner Berliner Zeit von 1976 bis 1978 entstand die legendäre „Berliner Trilogie“ mit den wegweisenden Alben Low, Heroes und Lodger. Obwohl die Songs in den nahegelegenen Hansa-Studios am Potsdamer Platz eingespielt wurden, atmen sie spürbar den Geist und die Melancholie des damaligen Schöneberger Alltags.
Gedenken an den Star
Bowies Zeit im Bezirk endete 1978, doch seine Spuren sind bis heute unübersehbar. Jedes Jahr im Januar, rund um seinen Geburts- und Todestag, verwandelt sich der Gehweg vor der Hauptstraße 155 in ein Meer aus Blumen, Kerzen und handgeschriebenen Briefen von Fans aus aller Welt. Für die Schöneberger bleibt er einer der schillerndsten Nachbarn, der hier je seine Brötchen kaufte.



