Tempelhof-Schöneberg
Chronik der Städtepartnerschaften
Von den Anfängen im Kalten Krieg bis zur modernen Solidarität

16.07.2026: Wer heute die Partnerschaftsschilder im Rathaus Schöneberg betrachtet, sieht das Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung. Die 15 offiziellen Städtepartnerschaften des Bezirks haben eine lange Geschichte. Diese ist geprägt vom historischen Kontext von den Jahren des Kalten Kriegs bis zur heutigen politischen Lage. Bis zur Bezirksfusion im Jahr 2001 gingen die ehemaligen Bezirke Tempelhof und Schöneberg dabei getrennte Wege. Eine kleine Zeitreise zeigt, wie dieses vielseitige Netzwerk gewachsen ist.
Erste Brücken nach Westeuropa
Die Geburtsstunde der bezirklichen Partnerschaften schlug im Jahr 1955, als der damalige Bezirk Tempelhof die Verbindung mit dem Nordlondoner Bezirk London Borough of Barnet einging.
Nur zwei Jahre später, im Jahr 1957, besiegelte Tempelhof gleich zwei weitere Verträge:
Zum einen mit der niederländischen Gemeinde Amstelveen, einem direkt an Amsterdam grenzenden Ort, der historisch aus einer Moorlandschaft hervorging. Zum anderen mit dem hessischen Werra-Meißner-Kreis (damals noch Landkreis Eschwege). Diese Verbindung entstand aus einer direkten Hilfsaktion: Während der sowjetischen Blockade West-Berlins organisierte der Landkreis Erholungsaufenthalte für Tempelhofer Kinder.
Annäherung im Inland
Nach dem Bau der Berliner Mauer suchte West-Berlin verstärkt den Anschluss an Städte und Landkreise im Westen Deutschlands, um die geografische Isolation zu überwinden.
Im Jahr 1962 knüpfte Tempelhof Kontakte zum westfälischen Landkreis Paderborn (historisch über den ehemaligen Kreis Büren), einer Region mit einer 1200-jährigen Geschichte.
Der Bezirk Schöneberg zog im Jahr 1963 nach und ging eine Partnerschaft mit dem rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Kreuznach ein.
Das Jahr 1964 brachte für Schöneberg gleich drei neue Partnerschaften:
Mit Ahlen in Nordrhein-Westfalen entstand eine Verbindung zu einer Stadt, die sich von einer Agrargemeinde zu einem Industriezentrum für Emaille und Steinkohle entwickelt hatte und in der 1946 das „Ahlener Programm“ der CDU verabschiedet worden war.
Mit Wuppertal im Bergischen Land bekam der Bezirk eine Partnerstadt, die damals für ihre Textil- und Bekleidungsindustrie bekannt war und deren Besonderheit ihre Schwebebahn ist, die bei der Jungfernfahrt einen jungen Elefanten transportierte, der bei dieser Gelegenheit jedoch in die Wupper stürzte. Allerdings soll das Tier unverletzt geblieben sein.
Mit der bayerischen Stadt Penzberg verband sich Schöneberg auch im Geiste des Gedenkens. In der dortigen „Mordnacht“ im April 1945 ermordete die SS kurz vor Kriegsende Penzberger Bürgerinnen und Bürger. Ein Gedenkstein an der Ecke Münchener und Penzberger Straße in Schöneberg erinnert daran.
Versöhnung und europäische Schulkontakte
Im Jahr 1970 ging Tempelhof einen historisch bedeutsamen Schritt: Es vereinbarte die Partnerschaft mit der israelischen Küstenstadt Nahariya. Gegründet 1935 von deutschen Einwanderinnen und Einwanderern, war dies die allererste offizielle Städtepartnerschaft zwischen einer deutschen und einer israelischen Kommune.
In den 1980er-Jahren richtete sich der Fokus verstärkt auf das europäische Ausland. Tempelhof schloss 1984 die Partnerschaft mit Charenton-le-Pont südlich von Paris, woraus ein reger Schulaustausch mit der Gustav-Heinemann-Schule erwuchs. Schöneberg folgte 1986 mit einer Partnerschaft mit dem nordwestlich von Paris gelegenen Levallois-Perret, das bis heute eng mit der Sophie-Scholl-Schule kooperiert.
Mauerfall und neue Nachbarn im Osten
Die politische Wende von 1989/1990 veränderte auch die bezirklichen Prioritäten. 1991 vereinbarte Tempelhof eine direkte Partnerschaft mit dem brandenburgischen Nachbarlandkreis Teltow-Fläming. Die wald- und schlossreiche Region entwickelte sich rasch zu einem beliebten Naherholungsgebiet für die Menschen im Bezirk.
Im Jahr 1995 ging Schöneberg eine Verbindung mit der polnischen Ostseestadt Koszalin (ehemals Köslin) ein. Die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte ehemalige Hansestadt pflegt heute neben dem kulturellen Austausch auch aktive wirtschaftliche Beziehungen mit dem Bezirk.
Bezirksfusion und neue Partner
Mit der Berliner Bezirksreform im Jahr 2001 wurden Tempelhof und Schöneberg zusammengelegt – und damit auch ihre bis dahin 13 Partnerschaften. Seither entscheidet das gemeinsame Bezirksamt über neue Kooperationen.
2012 wurde die Partnerschaft mit der türkischen Küstenstadt Mezitli-Mersin beschlossen. Die Hafenstadt am östlichen Mittelmeer ist ein bedeutendes Wirtschaftszentrum für Fischerei, Erdöl- und Textilindustrie.
Die jüngste Verbindung ist eine Reaktion auf die geopolitischen Entwicklungen: Am 24. Mai 2025 unterzeichnete das Bezirksamt eine Solidaritätspartnerschaft mit der südukrainischen Hafenstadt Mykolajiw. Die Stadt, die im Zuge des russischen Angriffs ab 2022 schwere Schäden an ihrer Infrastruktur erlitt, wird seither durch enge Kontakte zu Firmen und zivilgesellschaftliche Initiativen aus Tempelhof-Schöneberg unterstützt.
Die Wappen der Partnerstädte sind im Rathaus Schöneberg zu sehen.
Weiere Informationen zu den Städtepartnerschaften unter www.berlin.de/-ii344688



