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Schöneberg

Vom Botanischen Museum zur Kommunalen Galerie

Haus am Kleistpark war vor 50 Jahren Heimatmuseum

11.05.2026: Wer heute das Haus am Kleistpark an der Grunewaldstraße 6 - 7 besucht, kommt hierher, um Ausstellungen in der Kommunalen Galerie zu betrachten. Doch vor genau einem halben Jahrhundert, im Jahr 1976, schlug in dem Gründerzeitbau das historische Herz des Bezirks. Damals erhielt die sogenannte „Heimatschau“ in den oberen Etagen des Gebäudes ihre erste dauerhafte Ausstellungsstätte.

Von der Chronik zur Kulturgeschichte

Das Haus am Kleistpark war der Vorgänger des heutigen Schöneberg Museums. Ein frischer Wind durchzog die Räume in den frühen 1980er-Jahren. Es war die Zeit der „neuen Geschichtsbewegung“. Die Ausstellungsmacher wandten sich ab von der reinen Chronik und hin zur Sozial- und Kulturgeschichte. Bisher vernachlässigte Themen der Bevölkerung rückten in den Mittelpunkt. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen wurde die Geschichte lebendig gemacht – nicht nur in den Vitrinen, sondern auch im Stadtraum. Spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche machten die Historie vor der eigenen Haustür begreifbar. Fast zwei Jahrzehnte lang blieb das Heimatmuseum an der Grunewaldstraße, bis der Bezirk dem Schöneberg Museum 1994 die heutigen Räumlichkeiten an der Hauptstraße zur Verfügung stellte.

Als Botanisches Museum errichtet

Dass in dem Haus am Kleistpark gesammelt und geforscht wurde, liegt tief in seiner Geschichte verwurzelt. Errichtet wurde der stattliche Bau im Jahr 1880 als Königlich Botanisches Museum. Die Geschichte des Gebäudes ist untrennbar mit dem angrenzenden Grundstück verbunden. Schon ab dem Jahr 1506 ließ der brandenburgische Kurfürst dort einen Küchen- und Hopfengarten anlegen. Aus diesem Nutzgarten entwickelte sich über die Jahrhunderte der Königlich Botanische Garten mit schließlich 17.000 kultivierten Pflanzen und 36 Gewächshäusern. Sogar der Dichter Adelbert von Chamisso wirkte hier im 19. Jahrhundert als Naturforscher und Kustos. Seine umfangreiche Pflanzensammlung fand später in den Räumen des neu gebauten Museums Platz.

Kolonien und Naturschutz

Doch die Mauern spiegeln auch die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte wider. Ende des 19. Jahrhunderts diente der Standort als botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. Hier wurden tropische Pflanzen für den Anbau in Übersee erforscht und Gärtner für ihren dortigen Einsatz ausgebildet. Nachdem der Botanische Garten 1910 aus Platzmangel nach Dahlem umzog, übernahmen Naturschutzbehörden das Gebäude. Diese wurden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten der NS-Ideologie unterworfen. Ein Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg zerstörte schließlich den Nordost-Flügel des Baus.

Ort für Entdeckungen

Als 1967 das Kunstamt und die heutige Leo Kestenberg Musikschule einzogen, begann für das Haus am Kleistpark eine neue friedliche Epoche. Neun Jahre später komplettierte das Heimatmuseum dieses kulturelle Zentrum. Auch wenn die Historiker inzwischen umgezogen sind: Der Geist der Entdeckung, der sich vom Botanischen Museum über das Heimatmuseum bis zur heutigen Kommunalen Galerie zieht, prägt den Ort bis heute.

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