Zehlendorf
100 Jahre „Papageiensiedlung“
Neue Sonderausstellung im Heimatmuseum eröffnet am 10. Mai

06.05.2026: Zehlendorf und seine Villen – das gehörte für die Alteingesessenen schon immer zusammen. Als in der Weimarer Republik rund um den heutigen U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte plötzlich eine neuartige Waldsiedlung mit bunten Fassaden und flachen Dächern aus dem Boden wuchs, war die Empörung im bürgerlichen Bezirk groß. Das Heimatmuseum Zehlendorf widmet diesem umstrittenen architektonischen Meilenstein, der heute zu den Klassikern der Berliner Baugeschichte zählt, eine eigene Sonderausstellung.
Weg aus der Wohnungsnot
Unter dem Titel „Von der Villa zum Peitschenknall – 100 Jahre Waldsiedlung Zehlendorf Onkel Toms Hütte“ beleuchtet Kurator Frank Rattay die historischen Hintergründe des Quartiers. In den 1920er-Jahren fehlten in Berlin über 100.000 Wohnungen. Um Abhilfe zu schaffen, setzten Genossenschaften und städtische Gesellschaften auf das Konzept „Licht, Luft und Sonne“. Statt der damals häufigen dunklen Mietskasernen mit engen Hinterhöfen entstanden im Grünen aufgelockerte Wohnblöcke. Für die neuen Bewohner bedeutete das einen enormen Fortschritt: Eigene Bäder, abgetrennte Küchen, Balkone und Gärten gehörten zum Standard.
Doch das „Neue Zehlendorf“ polarisierte. Die radikale architektonische Sachlichkeit und die ungewohnt farbigen Hauswände brachten dem Projekt schnell den Spitznamen „Papageiensiedlung“ und reichlich Kritik der traditionellen Nachbarschaft ein, bis hin zum fast schon legendären "Zehlendorfer Dächerstreit".
Bezirksgeschichte erleben
Wer tiefer in diesen spannenden Konflikt der Bezirksgeschichte eintauchen möchte, kann die Ausstellung ab Sonntag, den 10. Mai, besuchen. Die feierliche Eröffnung beginnt um 11 Uhr im Heimatmuseum Zehlendorf im Historischen Winkel an der Clayallee 355. Im Anschluss ist die Sonderausstellung bis zum 13. September 2026 regulär geöffnet – mittwochs und sonntags von 11 bis 15 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 18 Uhr.
Der Eintritt ist frei, der Heimatverein freut sich jedoch über Spenden. Wer sich zusätzlich einlesen möchte, erhält vor Ort für 2,50 Euro die aktuelle Ausgabe des „Zehlendorfer Heimatbriefs“, die sich als Titelgeschichte ebenfalls der Papageiensiedlung widmet.



