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Neue Stolpersteine verlegt

Erinnerung an Marianne Brach und Simon Braun

Die Stolpersteine für Simon und Edith Braun sowie Marianne Brach vor dem Haus Hartmannstraße 35.
Die Stolpersteine für Simon und Edith Braun sowie Marianne Brach vor dem Haus Hartmannstraße 35.
Erschienen in Lankwitz & Lichterfelde Ost Journal August/September 2023

Bereits 2006 wurde vor dem Haus Hartmannstraße 35 in Lichterfelde Ost ein Stolperstein für Edith Braun, geborene Brach, verlegt. Am 23. Juni dieses Jahres folgten zwei weitere Stolpersteine für ihre Angehörigen: Mutter Marianne Brach und ihren Ehemann Simon Braun. Klaus-Peter Schaal vom Netzwerk Erinnerungskultur im Kirchenkreis Steglitz hat ihre Geschichte rekonstruiert. Edith Brach kam am 28. (nicht wie es auf dem Stein steht am 29.) Januar 1891 in Berlin als Tochter des Börsenmaklers Georg Felix Brach und seiner Frau Marianne geborene Nathan zur Welt. Edith war das dritte von fünf Kindern. Laut Berliner Adressbuch lebten sie viele Jahre in der Annastraße 1 – später Hartmannstraße 35 – im Villenviertel Lichterfelde Ost. Man kann davon ausgehen, dass Edith und ihre Geschwister eine sorgenfreie Kindheit erlebten.

Sängerin und Mutter

Edith wurde Sängerin. Bekannt ist dabei lediglich, dass sie beim Kabarett „Die Wespen“ aufgetreten ist. Am 5. Februar 1914 heiratete sie in Berlin den Kaufmann Simon Braun, der 1880 in Krakau geboren war. Sie bekamen vier Söhne: 1914 Joachim Werner, 1916 Harry Günther, 1918 Gustav und 1919 Wolf Helmut. Die Familie kaufte ein Haus in Lichterfelde, Herwarthstraße 12a und Edith Braun wurde als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen.

Zwangsverkäufe

Edith Braun war auch Eigentümerin von zwei Firmen: Fa. Louis Cohn jr. und Fa. Louis Cohn jr. Nachfolger GmbH, Damenkonfektion und Damenkleider, Tauentzienstraße 19a und Leipziger Straße 115. Ihr Mann Simon führte das Geschäft in der Tauentzienstraße. Nach den Pogromen im November 1938 liefen die Geschäfte so schlecht, dass beide Modehäuser verkauft werden mussten. Natürlich zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes. Auch das Haus in der Herwarthstraße musste 1939 zwangsweise verkauft werden. Die Familie Braun zog daraufhin zu Ediths Mutter in die Hartmannstraße 35.

Flucht und Deportation

Alle vier Söhne konnten emigrieren. Joachim Werner verließ Deutschland bereits 1936. Wolf Helmut glückte 1940 die Flucht, auch Harry Günther und Gustav entkamen den Nazis. Ihre Eltern blieben in Deutschland und bemühten sich vergeblich um die Ausreise. Simon Braun wurde am 27. Mai 1942 in einer Sonderaktion gegen Juden als Vergeltung für den Brandanschlag auf die NS-Propagandaausstellung „Das Sowjet-Paradies“ verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht, wo er am 28. Mai 1942 erschossen wurde. Edith Braun wurde am 5. Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 9. September 1944 weiter in das KZ Auschwitz, wo sie vermutlich im November 1944 ermordet wurde. Marianne Brach wurde am 14. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie starb nur zehn Tage später.

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