Gazette Verbrauchermagazin

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Wechseljahre beim Mann

Kein reines Frauenproblem

Nanu? Was hat „Mann“ mit Wechseljahren zu tun? Die Antwort der meisten Männer würde lauten: „Nichts.“. Wechseljahre werden für ein typisches Frauenproblem gehalten. Dabei weisen auch viele Männer etwa ab dem 40. Lebensjahr die typischen Symptome auf. Wie bei den Frauen gibt es starke Unterschiede, ob und wie stark ein Mann von den Auswirkungen der sogenannten Andropause betroffen ist. Jedoch anders als bei den Frauen - die den Beginn der Wechseljahre mit klaren körperlichen Veränderungen erleben - tritt die Entwicklung bei den Männern schleichender ein: sie kündigt sich offenbar stärker im seelischen und psychosomatischen Bereich an. Wie man sie erkennt und was man dagegen tun kann, verrät Dr. Christoph-Gérard Stein, beratender Arzt bei der TAUNUS BKK.

Was kann „Mann“ tun?

Die Diagnose des Klimakterium virile (Wechseljahre des Mannes) kann nur ein Urologe, Androloge oder Endokrinologe stellen - den Beruf „Männerarzt“ gibt es ja leider noch nicht. „Wenn Sie bei sich einige der typischen Symptome festgestellt haben - die aber auch auf andere Erkrankungen hinweisen könnten - ist ein Arztbesuch empfehlenswert“, rät Dr. Christoph-Gérard Stein. Dabei wird der Arzt neben einer organisch-urologischen Untersuchung und einem ausführlichen Anamnesegespräch einen Hormonstatus anhand einer Blutuntersuchung erstellen, bei dem verschiedenste Hormone überprüft werden.

Die Beschwerden können durch zusätzliche Hormongaben gelindert werden. Experten empfehlen dies allerdings nur dann, wenn der Hormonspiegel nachweislich niedrig ist und daraus Beschwerden herrühren.

Dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse günstig auf die Gesundheit wirkt, ist keine Neuigkeit. Für die Wechseljahre gilt das umso mehr. Auch ausreichendes Trinken (ca. drei Liter täglich) ist sehr wichtig. Günstig ist auch ein regelmäßiges Ausdauertraining. Krafttraining, Fitness, Wellness, Schwimmen fördern die Wirkung der verbliebenen Hormone und erhalten die Muskel- und Spannkraft. Tai-Chi oder QiGong sorgen zusätzlich für mentales Gleichgewicht. Alkohol, Nikotin und Stress dagegen sind die Feinde der Hormone.

Eine Frage der Chemie

estosteron ist das wichtigste Geschlechtshormon des Mannes. Er braucht es zur Fortpflanzung, für den Körperbau, aber auch für Durchsetzungsvermögen und psychische Verfassung. Es beeinflusst das gesamte Leistungsvermögen des Mannes, nicht nur Libido und Potenz, sondern beispielsweise auch Muskelauf- und Fettabbau. „Es gibt Testosteron-Präparate für Männer in Form von Tabletten, Implantaten, Pflastern und Gelen.

Doch es fehlen Langzeiterfahrungen - und viele Mediziner stehen der Therapie kritisch gegenüber, weil dadurch ein entstehender Prostatakrebs aktiviert werden kann. „Jeder fünfte Mann erkrankt an Prostatakrebs - ein hohes Risiko also, das nach sehr häufigen Vorsorgeuntersuchungen verlangt“, erläutert der beratende Arzt.

Zu den Symptomen der Wechseljahre des Mannes gehören:

  • Reizbarkeit, Depressionen
  • allgemeine Ermüdungszustände, erhöhtes Schlafbedürfnis, dabei aber möglicherweise auch Schlafstörungen
  • verminderte Belastbarkeit in Beruf und Sport
  • nachlassende Libido (Geschlechtstrieb)
  • zunehmende Erektionsprobleme
  • verringerte Körperbehaarung
  • Schwinden der Muskelmasse
  • Hautveränderungen
  • Schweißausbrüche
  • Osteoporose

Die meisten Männer nehmen diese Beschwerden nicht ernst. Sie lehnen es strikt ab „krank“ oder „alt“ zu sein. Dabei ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Ursache für diese Symptome in der verminderten Hormonproduktion liegen kann. Die .Wechseljahr des Mannes sind also kein schlechter Scherz, sondern durchaus ernst zu nehmen.

„Ab dem 40. Lebensjahr sinkt die Produktion beim „normalen“ Mann um jährlich etwa ein bis zwei Prozent. Bei einem Viertel der Männer jedoch wird die Testosteron Produktion stärker reduziert. Sinkt der Testosteronspiegel unter bestimmte Werte, so gilt „Mann“ als behandlungsbedürftig“, erklärt Dr. Stein. Wissenschaftler schätzen, dass 5 bis 10% der Männer davon betroffen sind. Man vermutet, dass die Wechseljahre beim Mann etwa mit 75 Jahren abgeschlossen sind.

Die Psyche spielt eine wesentliche Rolle

Sehr hilfreich ist der Versuch, an der inneren Einstellung zu arbeiten und das Altern zu akzeptieren. Viele stehen sich selbst im Weg und sehen nicht die Chancen des neuen Lebensabschnitts. Es fällt ihnen schwer, langsamer zu treten: Männer zeigen keine Schwäche. Wenn Männer mit dem, was sie erreicht haben, nicht zufrieden sind, halten sie oft an ihren früheren Zielen fest und setzen sich so massiv unter Erfolgszwang. Hilfreicher wäre die Einstellung: „Moment mal, schalte mal einen Gang zurück, vergiss mal für einen Moment deine Ziele, guck dir doch mal an, was du schon erreicht hast.“ Eine Lösung könnte sein, sich anders zu orientieren: die Hobbies, Interessen und Freundschaften zu pflegen und weiter in den Vordergrund zu stellen. Oft ist auch im Sexualleben ein Umdenken notwendig: weg vom Leistungs-Fetischismus, hin zur sanfteren Körperlichkeit und zum passiveren Genuss.

Dass sich der Körper mit zunehmendem Alter verändert, ist ein natürlicher Prozess im Leben jedes Menschen. „Alterungsprozesse“ werden nicht unbedingt durch einen sinkenden Anteil von Sexualhormonen verursacht.

Denn das ist die gute Nachricht: Insgesamt wird das sinnliche Erleben breiter, bewusster und somit umso genussvoller - eine äußerst positive Erfahrung, die über den Verlust der Jugend in den meisten Fällen sehr gut hinwegtröstet.

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