Es gibt viele einfache Übungen, mit denen man das Gehirn trainieren kann.Foto: BKK Gesundheit
Wo lag noch einmal die Karte mit dem Apfel? Während die Mutter noch überlegt, hat die kleine Tochter sie schon entdeckt und noch zwei weitere Memory-Kartenpaare dazu. Sie sieht das ganze Spiel als ein großes Bild und merkt sich die Details. Die Mutter hingegen versucht mit Rationalität die richtigen Karten zu finden. Sie nutzt ihr Gehirn nicht mehr optimal. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, verrät Dr. Christoph-Gerard Stein, beratender Arzt bei der BKK Gesundheit.
Je älter ein Mensch wird, desto mehr verliert sein Stirnhirn an Funktionsfähigkeit und Volumen, wenn es nicht immer wieder gefordert wird. Generell gilt: Wer sein Gedächtnis nicht trainiert, wer im Alltag immer nur Routine hat, nichts Neues mehr lernt und auch in der Freizeit lieber fernsieht, als ein angeregtes Gespräch zu führen, nimmt fatale Folgen in Kauf. Geistige Inaktivität lässt die Synapsen, die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen, im Gehirn erschlaffen oder sich ganz auflösen. Die Folge ist ein schlecht vernetztes Nervengeflecht, die Gedächtnisleistung nimmt ab, ebenso die Fähigkeit, neue Lösungen zu finden. Die gute Nachricht: Das Gedächtnis kann trainiert werden - ähnlich wie ein Muskel.
Dr. Stein rät mit zunehmendem Alter Aufmerksamkeit und Konzentration zu trainieren. Zwar stimulieren auch Kreuzworträtsel, das japanische Nummernspiel Sudoku oder Auswendiglernen das Gehirn. Forscher sind sich jedoch einig: Größer sind die Effekte mit gezielten Gehirnjogging-Übungen. Mit ihnen trainiert man alle Areale des Gehirns.
Es gibt viele einfache Übungen, mit denen man das Gehirn sinnvoll trainieren kann. So kann man zum Beispiel beim Warten vor einer roten Ampel in Gedanken den Weg zurückgehen oder man stellt sich vor dem geistigen Auge vor, wie viele Kreuzungen auf dem Weg noch kommen werden. Nicht immer dasselbe zu machen - das ist Gehirnjogging. „Putzen Sie sich einmal die Zähne mit links oder fahren sie einen anderen Weg zur Arbeit“, schlägt der Arzt vor. Dadurch werden neue Bereiche im Gehirn angeregt, neue Hirnzellen aktiviert und die Verbindungen zwischen den Nervenzellen leistungsfähiger.
Etwas Neues zu lernen, muss auch einen Zweck haben, damit es dem Gedächtnis nützt. Eine Telefonnummer auswendig zu lernen, bringt dem Gehirn eher wenig. Eine Sprache zu lernen, die im nächsten Urlaub gleich angewendet werden kann, dagegen viel. Das Hirn ist immer dann besonders aktiv, wenn es mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen hat oder eine Sache zu erledigen hat, die für das Überleben wichtig ist - und das kann eine neue Sprache im Urlaub durchaus sein.
Besonders gut trainieren lässt sich der Geist in Kombination mit Bewegung. Joggen und sich dabei unterhalten ist eine hervorragende Übung. Dr. Christoph-Gerard Stein erklärt dies so: „Bewegt sich ein Mensch, hat er unbewusst ein stabiles Raumgefühl. Sein Gehirn ist dadurch schon aktiviert. Setzt man darauf noch das Gedächtnistraining, in Form einer Unterhaltung, bezieht das noch mehr Hirnregionen mit ein.
Spaß ist ein wichtiger Faktor, um Wissen in das Langzeitgedächtnis zu bringen. Fühlt sich jemand wohl, setzt sein Gehirn sogenannte Neurotransmitter frei. Diese sind Voraussetzungen, dass die elektrochemischen Impulse in den Nervenzellen weitergeleitet werden - das Lernen funktioniert so besonders gut. Eine Möglichkeit, mit Spaß und Freude seine grauen Zellen zu trainieren, kann auch darin bestehen, sich einer Gruppe für gemeinsame Aktivitäten anzuschließen.
„Spargel schmeckt köstlich“ oder „Spargel enthält Asparagin“. Was bleibt eher in Erinnerung? Das Gehirn registriert, verarbeitet und speichert Wörter, Gesichter, Bilder oder sogar Zahlen mit einer emotionalen Bedeutung sehr viel besser als neutrale Fakten, egal, ob sie mit positiven oder negativen Gefühlen assoziiert sind. Wer die Handlungen des täglichen Lebens mit Lust gestaltet, lässt Emotionen zu und kitzelt damit auf durchaus sinnvolle Weise sein Gehirn.
„Man muss lernend alt werden“, betont der Experte. Nur wer seinem Gehirn immer wieder neue Aufgaben stellt, beugt dem verfrühten geistigen Verfall vor. Ohne einen gesunden Lebensstil läuft allerdings auch das eifrigste Gehirnjogging ins Leere. Ein gesellschaftlich aktives Leben erhält die geistige Wendigkeit. Die beste Altersversicherung sind der Kontakt und der Austausch mit anderen Menschen.
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