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für den Südwesten Berlins

Das Broken-Heart-Syndrom

Herzen können wirklich brechen

Nicht nur im Kitschroman, sondern auch in der Kardiologie gibt es das gebrochene Herz. Plötzlich starke Schmerzen in der Brust, im Hals und linken Arm begleitet von Atemnot, Übelkeit und Schwitzen. Der Fall scheint klar: Die 50-jährige Susanne wird mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Uniklinik eingeliefert. EKG und Ultraschall zeigen, dass die linke Herzkammer praktisch nicht mehr arbeitet. Doch alle Herzkranzgefäße sind vollständig normal, offen und werden durchblutet. Von Verstopfung keine Spur, kein Blutgerinnsel nachzuweisen. Dafür aber zeigt sich eine Bewegungs- und Funktionsstörung der linken Herzkammer, eine Lähmung des Herzmuskels. Warum also streikt das Herz? Antwort: Es ist „gebrochen“. Ursache: die dramatische Trennung von Susannes Ehemann.

Erst seit Anfang der 1990er-Jahre ist dieses Krankheitsbild unter dem Begriff Tako-Tsubo- oder Stress-Kardiomyopathie, auch als „Broken-Heart-Syndrom“ (Gebrochenes-Herz-Syndrom) bekannt. Auslöser der Symptome, die denen eines Herzinfarktes gleichen, können extremer Stress, ein heftiger Schock sowie außerordentliche emotionale oder körperliche Belastung sein, aber auch erfreuliche Überraschungen wie ein Lottogewinn. Das Besondere daran: Die akute und oft schwerwiegende Funktionsstörung des Herzens verschwindet meist schon nach wenigen Tagen oder Wochen von alleine. Im Gegensatz zum Infarkt, bei dem Teile des Muskelgewebes unwiderruflich absterben, bleiben in der Regel keine Schäden zurück. Die Betroffenen müssen jedoch einige Tage auf der Intensivstation überwacht werden, da in dieser Phase gefährliche Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern oder Schock auftreten können. Solche Komplikationen sind allerdings selten. Wichtig ist, dass die Ärzte den Quasi-Infarkt erkennen, da die normalen Infarkt-Medikamente wie Blutverdünnung oder Adreanlin-Gabe beim Broken-Heart-Syndrom gefährlich sein können.

Das Herz von Frauen „bricht“ öfter als das von Männern – wegen Liebeskummer, Trennung, Tod eines nahestehenden Menschen, Unfall, Verlust des Arbeitsplatzes, schlimmen Diagnosen oder Gewalterlebnissen. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind Frauen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen, wie eine Fallserie im New England Journal of Medicine (NEJM 2005; 352: 539-548) zeigt. „Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass bei Frauen ein relativer Mangel an Östrogenen nach der Menopause zur verstärkten Aktivierung des sympathischen Nervensystems führt“, sagt der Kardiologe Professor Dr. Karl-Heinz Kuck vom Hanseatisches Herzzentrum Hamburg. In extremen Belastungssituationen schütten die Nebennieren zu viele Stresshormone aus. Als Folge hört der untere Teil der linken Herzkammer einfach auf, sich zu bewegen, der Herzmuskel wird vorübergehend regelrecht gelähmt. Möglicherweise ziehen sich dabei die winzigen Blutgefäße im Herzen zusammen, möglicherweise wirken die Hormone aber auch giftig auf die Herzmuskelzellen – weder das eine noch das andere konnte bislang bestätigt oder widerlegt werden. Nur etwa ein bis acht Prozent der Patientinnen stirbt am Broken-Heart-Syndrom. Bei einem Herzinfarkt mit Gefäßverschluss stirbt jeder Zweite.

Da die Patienten meist normale Herzkranzgefäße haben, steigt das Infarkt-Risiko im Sinne des klassischen Infarktes mit Verschluss der Herzkranzgefäße nicht. „Patienten sollten nur nach einem solchen Ereignis ihre Risikofaktoren reduzieren, beispielweise das Rauchen aufgeben, auf Blutdruck und Cholesterinwerte achten“, rät Prof. Kuck.

Eine gezielte Vorbeugung ist nicht oder kaum möglich. Vor einem „Herzschock“ kann man sich leider nicht schützen, aber im Akutfall schnell und buchstäblich beherzt handeln. Denn je früher ein „gebrochenes“ Herz therapiert wird, desto schneller heilt es auch wieder.

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