Die Messung des Bauchumfangs gibt Aufschluss über das persönliche metabolische Risiko. Quelle: PhotoDisc
Übergewicht ist ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Wer sein Gewicht reduzieren möchte, sollte auf einseitige Diäten verzichten und stattdessen seinen Lebensstil ändern: eine Kombination aus regelmäßiger körperlicher Aktivität und Ernährungsumstellung ist langfristig erfolgversprechender, wenn es ums gesunde Abnehmen geht.
Doch das auf der Waage abzulesende Körpergewicht sollte nicht der maßgebliche Faktor sein, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Wer nach einer längeren Bewegungspause regelmäßig intensiv Sport treibt und dadurch Muskelmasse aufbaut, darf beim Blick auf die Waage nicht enttäuscht sein. Muskeln wiegen nun mal schwerer als Fett. Es ist die Verteilung des Körperfetts, die vom Gesundheitsbewussten mehr Aufmerksamkeit verdient. Gucken Sie also nicht so sehr auf Ihr Gewicht, sondern öfter in den Spiegel! Was? Das möchten Sie lieber nicht, weil Sie dort Ihre Problemzonen an Oberschenkel, Po und Hüfte anlachen? Lachen Sie zurück! Solche Fettansammlungen sind zwar – besonders für Frauen – kein Grund zum Jubeln, aber gesundheitsschädlich sind sie nicht.
Und jetzt die schlechte Nachricht: Konzentriert sich das meiste Fett am Bauch, besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-/Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes – und das sogar bei Menschen, die kein Übergewicht haben. Frauen mit einem Bauchumfang über 88 Zentimeter (cm) und Männer mit einem mehr als 102 cm runden Bauch sind allein aufgrund ihrer Leibesfülle „Hochrisikopatienten“. Handlungsbedarf besteht aber schon für Frauen mit mehr als 80 cm und Männer mit mehr als 94 cm Bauchumfang, denn diese Maße sind Anhaltspunkte für einen erhöhten „viszeralen“ Fettanteil.
Das viszerale Fett lagert sich im Bauchraum um die inneren Organe ab. Es ist wesentlich stoffwechselaktiver als die direkt unter der Haut angesiedelten Fettzellen (Speckröllchen), das heißt es produziert pausenlos Fettsäuren, die im Blut zirkulierend den Stoffwechsel – vor allem die Insulintätigkeit – beeinträchtigen. Je dicker der Bauch, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Blutdruck, die Blutfettwerte und der Blutzuckerspiegel ansteigen. Mediziner nennen dieses Quartett aus Übergewicht, Bluthochdruck, schlechten Blutfettwerten und Insulinresistenz das metabolische Syndrom. Wer darunter leidet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Darum lohnt es sich, den Bauch in seine Schranken zu weisen. Werden Zucker und andere Kohlenhydrate, die die Insulinproduktion ankurbeln, vom Speiseplan gestrichen, sollte das gelingen. Schwindet der „Rettungsring“, bekommt die Gesundheit Auftrieb. Beim Abspecken zahlt sich jeder Zentimeter aus.
Doch bei manchen Menschen scheint der Bauch geradezu „diätresistent“ zu sein. Veränderte Hormonspiegel im Alter können dafür eine Erklärung sein. Während dickbäuchige Männer häufig unter Testosteronmangel leiden, kann bei Frauen ein zu niedriger Progesteronspiegel die Ursache sein. In schweren Fällen sollte eine ärztlich kontrollierte Therapie mit bioidentischen Hormonen in Erwägung gezogen werden.
Andrea Ulrich
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