Die richtige Pflege für Schlaganfallpatienten: Das Bobath-Konzept. Foto: HELIOS Kliniken
Experten sprechen von der Epidemie des 21. Jahrhunderts: Jährlich erleiden mehr als 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Und dann zählt jede Minute. Denn nach einem Schlaganfall kommt es zu Einschränkungen in bestimmten Bereichen des Gehirns, die z.B. für die Steuerung der Bewegungen oder für das Sprechen verantwortlich sind. Die Folgen sind Halbseiten-Lähmung und Sprachstörung. In oft langdauernden Reha-Aufenthalten müssen die Betroffenen wieder sprechen oder laufen lernen. Das weltweit am häufigsten eingesetzte Therapie-Konzept dafür ist Bobath.
Nur ein einziger Augenblick hat für Antonia Schäfers das komplette Leben verändert: Die 73-jährige Rentnerin erlitt einen Schlaganfall, in dessen Folge die rechte Körperhälfte gelähmt, Sprechen und Hören unmöglich sowie sämtliche Bewegungen eingeschränkt waren. „In diesem Moment ist man nur noch verzweifelt“, erinnert sich ihr Ehemann Walter Schäfers. Der 76-Jährige weicht seiner Frau seit dem fast keine Minute von der Seite.
Den beschwerlichen Rehabilitationsweg hat Antonia Schäfers in der HELIOS Klinik Holthausen, einer Fachklinik für neurochirurgische und neurologische Rehabilitation, begonnen. Hier lernte sie, wieder die Kontrolle über ihre Muskeln und Bewegungen zu übernehmen. Nach einem Schlaganfall ist das extrem wichtig, denn: „Der gesunde Teil des Gehirns kompensiert die Defizite und versucht, die Funktionen der gelähmten Seite zu übernehmen“, so erklärt die Pflegedienstleiterin Michaela Friedhoff. Es besteht große Gefahr dann, wenn Patienten ihre betroffene Seite leugnen, sie nicht in Bewegungen mit einbeziehen und die Muskeln dadurch verkümmern und steif werden.
Mit dem Bobath-Konzept wird dagegen angesteuert: Unter anderen helfen gezielte Lernangebote dabei, die Muskelspannung (Muskeltonus) der gelähmten Seite und deren Bewegungen wieder zu aktivieren. „Natürlich ist es eine Herausforderung für die Patienten, die gelähmte Seite wieder zu mobilisieren. Aber durch kontinuierliches Üben, vor allem in Alltagssituationen, beim Waschen oder Anziehen, können bekannte Bewegungsabläufe wieder abgerufen werden. Sich selbständig Ankleiden und zur Toilette gehen zu können sind ein vorrangiges Ziel und führen zu hoher Motivation bei den Patienten.“ Die therapeutische Pflege sollte so früh wie möglich beginnen. Denn nur so können z.B. unkontrollierte erhöhte Muskelspannung (Spastik) oder falsche Bewegungen verhindert werden.
Bobath wird während der Therapie 24 Stunden angewendet. Die so genannten Handlings (Bewegungsabläufe) werden dabei in alle Aktivitäten des täglichen Lebens übernommen, etwa bei der Körperpflege oder auch beim Essen. „Durch ständige Wiederholungen sind die Behandlungs-Fortschritte schneller sichtbar“, so Michaela Friedhoff. Im besten Fall werden aber nicht nur die Patienten mit Bobath vertraut gemacht, sondern auch die Angehörigen. So können sie aktiv unterstützen, motivieren und emotional stabilisieren. Wie im Falle von Antonia und Walter Schäfers. Der Lohn ihrer gemeinsamen Anstrengungen: Antonia Schäfers kann heute schon wieder in Begleitung gehen, sie versteht ihre Mitmenschen und kann fast wieder klar sprechen.
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