Jeder kann sein biologisches Alter selbst beeinflussen. Wie das geht, verrät Dr. Rüdiger Schmitt in seinem „Handbuch Anti-Aging & Prävention“. Foto: Yuri Arcurs © www.fotolia.de
Mit dem Alter kommen die Krankheiten: Die Gelenke schmerzen, die Sehkraft lässt nach, die Haut wird faltig und bekommt Flecken. Das ist der Lauf der Zeit, keiner kann die Uhr zurückdrehen, wir werden nicht jünger. Moment mal! Ist es nicht merkwürdig, dass wir uns bei einem so elementaren Thema in unser angebliches Schicksal fügen? In fast allen Lebensbereichen legen wir Wert darauf, selbst das Steuer in die Hand zu nehmen. In der westlichen, aufgeklärten Welt scheint doch alles veränderbar, nichts wird dem Zufall überlassen. Wwr regeln Geburten und wollen selbstbestimmt sterben. Aber das Altern wird als unvermeidliches Schicksal hingenommen? Nicht von allen.
Schon lange, bevor es das Schlagwort „Anti-Aging“ gab, fanden Wissenschaftler Beweise für die These, dass sich der Alterungsprozess beeinflussen lässt. Einer von ihnen war der Chemiker Clive McCay, der in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in den USA forschte. Er fand in Tierexperimenten heraus, was heute unter Fachleuten unumstritten ist: Gezielte Einschränkung der Kalorienzufuhr kann den Alterungsprozess aufhalten! Wurde McCay von seinen Kollegen noch ausgelacht, gibt es heute für seine Erkenntnis einen feststehenden Fachbegriff: kalorische Restriktion. Zu deutsch: weniger kohlenhydrat-, protein- und fetthaltige Nahrungsmittel essen. Und zwar deutlich (30 bis 60 Prozent) weniger. Gleichzeitig muss die Zufuhr an bestimmten Vitaminen, Antioxidantien und Vitalstoffen gezielt erhöht werden.
Was bewirkt diese Art der Ernährung? Bedeutet nicht weniger Essen auch weniger Energie? Im Gegenteil, erläutert Dr. Rüdiger Schmitt vom Deutschen Grünen Kreuz e. V., der als Physiologe und Gerontologe seit Jahren in der Alternsforschung tätig ist: „Weniger Nahrung bremst den Stoffwechsel nur vorübergehend. Dann passt sich der Organismus an. Die einzelnen Körperzellen haben schließlich genauso viel Energie zur Verfügung wie vorher, teilweise sogar mehr, denn Stoffwechselvorgänge werden ökonomischer.“ Und was hat das mit dem Altern zu tun? „Weil viele der durch normale Nahrungsmengen verursachten Stoffwechselbelastungen wegfallen, funktionieren körpereigene Schutzmechanismen viel effizienter. Schädliche Oxidationen werden besser abgefangen. Viele Gewebe können so länger auf jugendlichem Leistungsniveau arbeiten.“
Kalorische Restriktion hemmt den primären Alterungsprozess, und zwar bezogen auf den gesamten Organismus. Typische Alterserscheinungen wie Nachlassen der Gehirnleistung, Schwächung des Immunsystems, erhöhter Blutdruck, rasche Ermüdung, ja sogar der Elastizitätsverlust der Haut sind eben kein Schicksal, sondern können verhindert werden!
Daneben gibt es noch weitere Gebiete, auf denen jeder einzelne ganz praktisch sein biologisches Alter beeinflussen kann, zum Beispiel Hormonstatus oder körperliche Bewegung.
Den derzeit umfassendsten Überblick über den aktuellen Stand der Alternsforschung bietet das allgemeinverständlich geschriebene „Handbuch Anti-Aging & Prävention“, das soeben im Verlag im Kilian erschienen ist.
„Handbuch Anti-Aging & Prävention“, Rüdiger Schmitt und Simone Homm:, Verlag im Kilian, Marburg (Broschur - Januar 2008), 542 Seiten, 42,00 €, ISBN 978-3-932091-95-7
Andrea Ulrich
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