Hitzewallungen kommen plötzlich und oft in völlig ungeeigneten Momenten. Foto: Taunus BKK„Wechseljahre“ das ist etwas, das viele Frauen nicht gerade herbeisehnen. Klimakterium - das bedeutet auch „Mitte des Lebens“ und viele Frauen erleben diesen Abschnitt ihres Lebens als einen Neubeginn. Sie entwickeln während der Wechseljahre neue Interessen und gehen neue Wege. Was die Wechseljahre sind, welche Beschwerden sie hervorrufen können und wie Sie mit dem Klimakterium umgehen können, erklärt Dr. Christoph-Gerard Stein, beratender Arzt bei der TAUNUS BKK.
Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Phase. Sie trennen zwei Lebensabschnitte im Leben einer Frau: die Zeit der Fruchtbarkeit und die, in der keine Fortpflanzung mehr möglich ist. Die Phase der Umstellung kann zwischen einigen Monaten bis zu mehreren Jahren dauern. In der fruchtbaren Phase reifen in den Eierstöcken laufend befruchtungsfähige Eier heran. Um den Zeitpunkt der letzten Regelblutung hat der Körper ungefähr 400 Eisprünge hinter sich. Dann verändern sich die Eierstöcke, das Gewebe schrumpft und der Eisprung bleibt aus. Das hat auch Einfluss auf die Hormonproduktion. Zuerst sinkt der Gestagenspiegel im Blut, nach einigen Jahren wird auch weniger Östrogen gebildet. Schließlich stellt der Körper die Hormonproduktion ganz ein.
Die Entscheidung, ob bestimmte Beschwerden durch den Beginn des Klimakteriums verursacht werden, lässt sich über Faktoren wie das Alter einer Frau, ihre Krankengeschichte und gynäkologische Untersuchungen treffen, erläutert Dr. Christoph-Gerard Stein. Mit Hilfe einer Blutuntersuchung können die weiblichen Geschlechtshormone wie Östradiol und das Follikelstimulierende Hormon (FSH) bestimmt werden.
In den Wechseljahren wird die Produktion der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen allmählich gedrosselt. Auf den schwankenden und niedrigen Östrogenspiegel reagiert der Körper widersprüchlich.
Typische Symptome können z.B. unregelmäßige und wechselhaft starke Blutungen, Hitzewallungen mit schnellem Wechsel von Schweißausbrüchen und Frösteln, Blasenbeschwerden, starker Harndrang, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sein, weiß der Mediziner.
Bei manchen Frauen überwiegt das ebenfalls in geringen Mengen produzierte männliche Hormon Testosteron. Dadurch verändert sich ihre Körperform zu schmaleren Hüften und Oberschenkeln. Andere Frauen behalten eher ihre östrogenbetonte Figur und werden fülliger an Busen und Po. Diese gewachsenen Fettpolster stabilisieren den Hormonspiegel und mildern so mögliche Beschwerden. Eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung sind das Beste für Frauen in den Wechseljahren, um sich vor Übergewicht zu schützen. Auch die Haut wird dünner, trockener und weniger elastisch, da sie nicht mehr so viel Wasser speichern kann. „Frauen sollten auf ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit achten. Am besten Wasser, ungesüßte Fruchtsäfte bzw. Tee. Auch Sonnenbaden sollte nur in Maßen genossen werden, geschützt mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor“, rät der Experte.
Die verminderte Östrogenproduktion kann zu einer schleichenden Entkalkung der Knochen führen. Bei Frauen, die sich ausreichend sportlich bewegen und kalziumreich ernähren, ist die Osteoporose jedoch selten. Wichtig ist, dass Sport regelmäßig betrieben wird, nicht überfordert und die Gelenke schont. Hierfür eignen sich besonders: (Nordic) Walking, Schwimmen, Aqua Gymnastik, Radfahren oder betreutes Training in einem Fitness-Studio.
Hitzewallungen kommen plötzlich und oft in völlig ungeeigneten Momenten. Frauen können einiges gegen die damit verbundenen Beeinträchtigungen tun. Tragen Sie nach dem Zwiebelprinzip leichte Kleidung in mehreren Schichten. Bei einer Hitzewallung können Sie je nach Bedarf eine Lage ablegen und danach wieder anziehen. Kleidung aus thermoregulierenden Fasern kann angenehmer sein als aus schweren Naturfasern, die sich schnell mit Schweiß voll saugen. Reservewäsche am Arbeitsplatz oder unterwegs kann Sie vor einer misslichen Lage bewahren. Halten Sie bei Bedarf die Unterarme unter laufendes Wasser. Lauwarme Waschungen, versetzt mit Pfefferminz- oder Lavendelöl kühlen besser als kaltes Wasser, das den Körper eher zu neuen Wallungen anregt. Ein griffbereiter Fächer gibt Ihren erhitzten Wangen erholsame Kühlung. Halten Sie die Hitzewallungen im Kalender fest. Vielleicht lässt sich ein Zusammenhang mit bestimmten Ereignissen, Speisen oder Getränken erkennen.
Medikamente, die dem Körper Hormone zuführen, lindern Beschwerden, die auf einen Hormonmangel zurückgehen. Dass die Zufuhr an Hormonen jung und fit hält, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Dr. Stein empfiehlt, Hormonpräparate nur dann einzusetzen, wenn Frauen in den Wechseljahren stark unter den Folgen des eingetretenen Hormonmangels leiden. Die Dosierungen sollten dabei möglichst gering sein. Die Therapie sollte unter Abwägung der Risiken nur so lange erfolgen, wie ein Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einem Hormonmangel erkennbar ist.
Vorsicht bei freiverkäuflichen Mitteln gegen Wechseljahrsbeschwerden. Die aus Soja, Rotklee und vor allem aus der Traubensilberkerze gewonnenen pflanzlichen Phyto-Östrogene haben zwar eine ähnlich positive Wirkung auf Hitzewallungen wie synthetische Hormonpräparate. Allerdings liegen zu pflanzlichen Hormonen noch keine großen Langzeitstudien vor, so dass eine abschließende Beurteilung zu ihrer Unbedenklichkeit nicht möglich ist. Patientinnen mit hormonabhängig wachsenden Tumoren und insbesondere Brustkrebspatientinnen sollten von der Einnahme solcher Präparate absehen.
In die Zeit der Wechseljahre fallen häufig auch private und berufliche Umbrüche. Die Kinder werden „flügge“ und gehen eigene Wege, stattdessen werden die Eltern bzw. Schwiegereltern zunehmend hilfsbedürftig. Gerade Paare, welche die letzten Jahre vornehmlich als Eltern funktionierten, müssen sich neu definieren. Und auch beruflich ist oft vieles im Wandel, die Firma strukturiert um, der Leistungsdruck steigt oder jüngere Kollegen machen Konkurrenz Doch gleich was es ist - was zunächst wie ein Berg vor einem steht, kann und sollte eine Chance zum Umdenken sein.
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