Gläser mit Blaulichtfilter erhöhen den Kontrast, was meist als angenehm empfunden wird. Foto: EssilorGrauer Star, Makula-Degeneration, Netzhautschädigung: Die augenoptische Industrie hat eine neue Gefahrenquelle im Verdacht. Einige Experten vermuten, dass nicht nur die unsichtbare UV-Strahlung, sondern auch das sichtbare blaue Licht das Auge schädigt. Noch ist das Thema in Fachkreisen umstritten. Langzeitstudien liegen noch nicht vor. Wir werfen trotzdem einen Blick auf den Sachstand.
Das Licht ist - physikalisch betrachtet - elektromagnetische Strahlung. Je nachdem, in welcher Wellenlänge diese Strahlung auftritt, nimmt das menschliche Auge unterschiedliche Farben wahr. Die für den Menschen als Licht sichtbare Strahlung erstreckt sich über eine Wellenlänge von rund 380 Nanometern bis etwa 780 Nanometern. Im Bereich der energiereichen, niedrigen Wellenlänge ist das Licht violett-blau, im oberen, weniger energetischen Bereich rot. Alle anderen sichtbaren Farben liegen zwischen diesen beiden Bereichen.
Unumstritten ist, dass das ultraviolette, hoch energiereiche Licht im Wellenbereich unter 380 Nanometer das empfindliche Netzhautgewebe des Auges schädigen kann. Dieses Licht ist auch als UV-Strahlung bekannt. „Gute Markensonnenbrillen schützen daher auch auf jeden Fall vor diesen unsichtbaren UV-Strahlen“, berichtet Sarah Pittrich vom Münchner Optik-Spezialisten Rodenstock.
Jüngere Theorien vermuten aber, dass auch das Licht im Spektralbereich von 400 bis etwa 430 Nanometer gefährlich für das Auge sein könnte. Dieses Licht sehen wir blau. Erst über diesem Grenzwert sei der Energiegehalt des Lichtes nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht mehr schädlich fürs Auge, sagen Wissenschaftler.
Erste Anhaltspunkte für eine Schädigung des Auges durch Blaulicht ergaben die Untersuchungen von Makula-Degenerationen. Die Makula ist der Punkt des schärfsten Sehens. Er befindet sich in der Mitte der Netzhaut. Bei einer Makula-Degeneration werden die Sehzellen in diesem wichtigen Bereich des Auges geschädigt und sterben ab. „Zwar verändert sich die Makula auch altersbedingt“, berichtet Dr. Wolfgang Wesemann, Direktor und Privatdozent an der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. „Aber immer häufiger wird eine Makula-Degeneration von Fachleuten auch in Zusammenhang mit dem Blaulicht gebracht, das Sehzellen zerstören kann.“ Anhaltspunkte für diese Theorie liefern etwa Untersuchungen von Kinderaugen: Die Linsen der Kinderaugen sind noch klar und deshalb erheblich durchlässiger für energiereiches Licht. Der natürliche Schutz der Augen, ein Gelbfilter durch Eintrübung, entwickelt sich erst im Laufe der Jahre. Schon heute bekannt ist aber, dass eine Schädigung des Auges aus Jugendjahren durch zu energiereiches Licht zu Sehschwächen im Alter führen kann.
Da die Diskussion in der Wissenschaft noch verhältnismäßig jung ist, sind auch die wenigsten erhältlichen Brillengläser mit einem Blaulichtfilter ausgestattet. Außerdem reicht eine bloße Filterung des blauen Lichts nicht aus, erläutert Sylvie Fontaine, Pressereferentin vom Brillenglashersteller Essilor: „Blaues Licht ist sichtbar. Wird diese Wellenlänge generell herausgefiltert, erscheinen auch alle anderen Farben unnatürlich und verfälscht. Das ist unangenehm und beim Autofahren gefährlich. Es gibt aber mittlerweile Gläser, die zusätzlich zum UV-Licht den als gefährlich eingeschätzten Blauanteil des Lichtes herausfiltern, ohne den Farbeindruck zu verfälschen.“ Diese Gläser sind so berechnet, dass sie genau die Wellenlängen passieren lassen, die zur Unterscheidung der Farben notwendig sind. Der hochenergetische Blauanteil bleibt ausgesperrt. „Diese Brillengläser haben außerdem noch einen angenehmen Nebeneffekt: Sie erhöhen den Kontrast“, sagt Maik Hartung vom Brillenglasspezialisten Carl Zeiss. „Das sorgt für entspanntes Sehen und wird allgemein als angenehm empfunden.“
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