Gazette Verbrauchermagazin

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für den Südwesten Berlins

Kreuzfahrten erweitern Horizonte

Je abenteuerlicher die Route, umso jünger werden die Teilnehmer

Kreuzfahrten haben ein hartnäckiges Image. Die Teilnehmer sind alt, die Preise hoch, die Kleiderordnung gestrig, das Essen üppig und der stets schwankende Boden gesundheitsgefährdend. Die Kreuzfahrt-Manager kennen diese Vorurteile der Unerfahrenen und versuchen, teilweise mit Erfolg, gegenzusteuern. Die Zahl der Boote, die auf Meeren, Seen und Flüssen kreuzen, steigt ständig. Alte Boote aus DDR-Zeiten mit Plüschkomfort und nicht abstellbarem Radio werden modernisiert und konkurrieren mit „Costa“-Riesen für 2000 und mehr Teilnehmer, dem Traumschiff „Deutschland“, vom „Queen Elizabeth“-Luxusliner ganz zu schweigen. Die Boote kreuzen weltweit, und manche Touren haben Abenteuer-Charakter, Zwischenstopps mit Landausflügen werden vorausgesetzt.
Das Durchschnittsalter der Kreuzfahrer ist nach wie vor hoch. Rentner genießen es, verwöhnt zu werden. Aber je abenteuerlicher die Route, umso jünger werden die Teilnehmer. Und bei südeuropäischen Touranbietern hopsen in den Schulferien auch Jugendliche in die Discos, sind Kinder am Pool und poltern durch die Gänge.

Da ständig neue und größere Boote gebaut und alte überholt werden, wächst das Angebot und sinken die Preise. Kreuzfahrten werden ein bezahlbarer Luxus.

Jugendliche belächeln die auf Kreuzfahrten fast obligatorische Kleiderordnung. In der täglich erscheinenden Kreuzfahrt-Zeitung gibt es „Vorschläge“: Zum Käpt‘ns-Dinner festlich-elegant, das heißt, der Kapitän, der Kreuzfahrt-Direktor erwarten Damen im Abendkleid und Herren mit dunklem Anzug und Krawatte. Enge Blazer aus Tanzstundenzeiten werden zwar belächelt, aber akzeptiert. Wer beim Handkuss oder Zuprosten Etiketten-Defizite hat, wird beim Morgenradio informiert. An normalen Tagen wird dann sportlich-leger vorgeschlagen, das heißt, man wird bei nicht offiziellen Highlights trotz Blue-Jeans, fehlender Krawatte und Badelatschen bedient.

Das Essen auf der familiären „MS Vistamar“ (Plantours), einem Schiff für knapp 300 Kreuzfahrer, war spektakulär. Ein Kreuzfahrt-Profi spricht es aus: „Besser als auf der ,Queen Elizabeth‘.“ Vielleicht sind sieben Mahlzeiten für Liegestuhl-Benutzer ein bisschen viel. Trotzdem war das Mitternachts-Spanferkel nach 10 Minuten verschwunden.

Schwankende Boote und aufgewirbelte Pools können sensiblen Touristen gesundheitliche Probleme bereiten, aber ein Ärzteteam gibt Tipps, verteilt Pillen und versucht, die Blassen mit Akupunktur für 100 Euro zu stabilisieren. Wenig Freude bereitet das obligatorische Praktikum mit Schwimmwesten samt Begehen der Notausgänge und Besteigen der Rettungsboote.

Bei langen Fahrten und kühlem Wetter werden die Kreuzfahrer durch ein vielseitiges Programm vom Frühstück bis Mitternacht verwöhnt, unterrichtet und bei Laune gehalten: Englisch, Bridge, Skat, Seetraining, Shuffleboard, Bingo, Soft Aerobic. Weltmeister Martin und Sabrina lehren Walzer und Cha-Cha-Cha-Schritte. Kreuzfahrt-Direktorin Anke macht neugierig auf zukünftige Kreuzfahrten und beamt Antarktis-Pinguine und Gletscher auf die Leinwand. Lektorin Ingrid informiert, was einen an kommenden Tagen auf den anzulaufenden Inseln erwartet, und vergleicht die Kleine-Antillen-Route mit der Fahrt von Kolumbus. Und zwanzig Seniorinnen wird gezeigt, wie man mit Bastelarbeiten Kindern bei der Rückkehr Freude bereiten kann.

Freude bereiten den 220 „Vistamar“-Passagieren 120 dienstbare Geister aus 18 Ländern. Das bulgarische Zimmermädchen „Lachender Mond“ gestaltet abends aus Pyjamas Kunstwerke, Getränkekellner Ivan aus der Ukraine serviert Wein, Sekt, Kaffee, Tee gratis mit einem DiCaprio-Lächeln, die lettische Schönheit Eva am Empfang sorgt zum x-ten Mal für einen Ersatz-Zimmerschlüssel und die schon erwähnte Direktorin Anke war sich nicht zu schade, 20 kg schwere Überseekoffer zu transportieren.

Kreuzfahrt-Einsteigern geben wir den Rat: Versuchen Sie es, denn Kreuzfahrten machen nicht nur Spaß, sondern bringen sicher neue Erkenntnisse und erweitern Ihren Horizont.

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