Gazette Verbrauchermagazin

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für den Südwesten Berlins

Mit dem Fernsehen ist es wie mit Beton

Wenn Kinder viel vor Bildschirm-Medien sitzen, bleibt wenig Spiel-Raum

Aufmerksamkeits-, Sprach-, Lese- und Schreibstörungen; zunehmende Gewalt in der Gesellschaft; Übergewicht und 40.000 Tote jährlich aufgrund falscher Lebensgewohnheiten allein in Deutschland - das ist nach Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer die langfristig drohende Bilanz, wenn Kinder heute zu lange und zu oft vor dem Bildschirm verbringen. Spitzer ist Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik und Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm. „Vorsicht Bildschirm!“ heißt sein 2005 erschienenes Buch.

Vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse aus der Gehirnforschung warnt der Wissenschaftler, selbst Familienvater, vor jeder Art Bildschirm: Fernseher, Computer oder Gameboy. Eine umfassende Kenntnis von Studien aus den USA und europäischen Ländern, aber auch eigene wissenschaftliche Erkenntnisse und Beobachtungen fundieren seine Ausführungen. Zahlreiche Beispiele, Grafiken und Vergleiche zeigen, warum Eltern auf das Wie viel und das Was achten sollten, wenn ihre Sprösslinge vor dem Bildschirm sitzen. „Mit dem Fernsehen ist es wie mit Beton: Es kommt darauf an, was man draus macht“, fasst Spitzer seine Erkenntnisse und die vieler Kollegen auch anderer wissenschaftlicher Disziplinen zusammen.

Trampelpfade im Gehirn

Was ein Kind selbst durch spielerische Beschäftigung, durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten erfährt, hinterlässt deutliche Spuren in seinem Gehirn: Je mehr Erfahrungen es macht, desto mehr und tiefere Spuren bilden sich aus. „Trampelpfade“ nennt Prof. Spitzer sie bildhaft. Einmal vorhandene Spuren ermöglichen, dass neue Informationen leichter verarbeitet werden und erhöhen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Informationsverarbeitung im Gehirn. Selbst gemachte Erfahrungen erleichtern und fördern das Lernen.

„Heute ist ein Niveau der wechselseitigen Integration wissenschaftlicher Ergebnisse erreicht, das noch vor zehn Jahren nicht gegeben war und das die von manchen Autoren noch immer behauptete Beliebigkeit der Diskussion um mediale und reale Gewalt beendet“, nennt Manfred Spitzer als einen der Gründe, warum das Buch erschienen ist. Der Autor selbst hofft, dass er mit seinen negativen Prognosen Unrecht hat. Denn dann habe sein Buch dazu beigetragen, die negativen Folgen übermäßigen Bildschirmkonsums zumindest abzuschwächen.

„Vorsicht Bildschirm“, das Buch von Prof. Manfred Spitzer ist im Ernst-Klett-Verlag erschienen. Es kostet € 19,95, ISBN 3-12-0101720-2.

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