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Augenoptiker für Kinder

Bis zu 20 Prozent der Kinder einer Grundschulklasse leiden an Sehproblemen

Eltern kennen die gesetzlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen, bei dreien dieser Untersuchungen liegt das Augenmerk auch auf dem Sehsinn: die U5 im sechsten und siebten Lebensmonat, die U8 im Alter von 3½ bis vier Jahren und die U9 mit etwa fünf Jahren, wenn es bald in die Schule geht. Die Momentaufnahmen reichen aber nicht, um Sehfehler zu entdecken. Viele Kinder können Sehschwächen für einen Moment ausgleichen. Die Optometristen Frank Bücher (Kamen) und Egon Weiler (Knittlingen) sowie Dr. Wolfgang Wesemann, Dozent an der Höheren Fachschule für Augenoptik Köln (HFAK), erklären, worauf Eltern beim Sehen ihrer Kinder achten sollten.

Für Frank Bücher sind unentdeckte Sehfehler von Kindern ein Problem – aber ein vermeidbares: „Wenn das Problembewusstsein von Eltern, Lehrern und Schulämtern höher wäre, hätten es viele Kinder leichter. Ein fachgerecht durchgeführter Sehtest dauert nicht lange, könnte aber Entwicklungsprobleme vieler Kinder lösen.“ Aus seinen Erfahrungen mit Sehtests an Grundschulen weiß Bücher, dass bis zu 20 Prozent der Kinder einer Grundschulklasse an Sehproblemen leiden. Ein ähnliches Bild zeigt eine repräsentative Studie der Berliner Augenärzte Dr. Christoph Wiemer und Dr. Peter Kaulen aus dem Jahr 2005. Die Ärzte untersuchten die Sehfähigkeit von mehr als 6.000 Berliner Kindergartenkindern. 18 Prozent der jungen Probanden zeigten Sehschwächen, aber nur gut zehn Prozent der untersuchten Kinder hatten bereits eine augenärztliche Untersuchung absolviert.

Dabei haben unentdeckte Sehschwächen teilweise gravierende Folgen. Kinder mit Sehfehlern haben häufig Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Beim Sport und beim Toben auf dem Schulhof fallen sie durch Unbeholfenheit auf. Büchers Kollege Egon Weiler, ausgebildeter Optometrist, berichtet von noch schlimmeren Fällen: „Ich hatte ein Mädchen bei mir, dem von früh bis mittags immer übel war. Die Ärzte konnten keine organische Erkrankung finden, waren ratlos. Dabei waren es einfach nur die Augen! Mit der passenden Brille konnte das Kind regelmäßig am Unterricht teilnehmen.“

Sehen muss gelernt werden

In Fachkreisen unumstritten, aber bei Lehrern und Eltern noch weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass Kinder das richtige Sehen lernen müssen. Egon Weiler erklärt: „Kinder haben keine Vergleichsmöglichkeiten: Sie halten ihr Sehen für normal und beklagen sich nicht, wenn sie undeutlich sehen. Sie werden allenfalls verhaltensauffällig.“ Wenn Kinder eigentlich eine Brille brauchen, aber keine haben, müssen sie sich beim Lesen stärker konzentrieren. Das geht eine Zeitlang gut, aber nicht auf Dauer. „Dann beginnen die Beschwerden“, sagt Weiler. Typische Symptome, bei denen Eltern hellhörig werden sollten, sind Konzentrationsmängel, Leseunlust, Probleme im Deutschunterricht oder Widerwillen beim Ausmalen und Ausschneiden. Auch Unsicherheiten in der Sprache, beim Sportunterricht, beim Treppensteigen oder beim Laufen über unebenen Boden können Anzeichen für Sehprobleme sein. Auch wenn das Kind gern den Kopf schief hält, an Gegenständen vorbeigreift, sich grundsätzlich ungeschickt anstellt oder über Augenbrennen und Lichtempfindlichkeit klagt, häufig blinzelt oder an Augenentzündungen leidet, ist Vorsicht geboten – und der Gang zum Augenarzt dringend angeraten.

„Damit die Sehentwicklung einwandfrei ablaufen kann, muss ein Augenfehler so früh wie möglich gefunden und korrigiert werden“, meint Dr. Wesemann von der HFAK. „Bei Kindern bis zehn Jahren sollte man diese Untersuchung mindestens einmal mit speziellen Augentropfen durchführen, damit wird das Ergebnis sehr zuverlässig. Dies geht am besten in einer Augenarztpraxis, die sich auf Kinderaugenheilkunde spezialisiert hat.“ Schlechtes Sehen kann auch erblich sein. Tragen also schon die Eltern oder Geschwister starke Brillen oder wird in der Familie geschielt, sollten auch unauffällige Kinder möglichst schon früh zur Untersuchung.

König Kunde Kind

Bei der Suche nach einem Augenoptiker mit Kindererfahrung sollten Eltern sorgfältig vorgehen: Bunte Schilder im Schaufenster eines Augenoptikers gewährleisten noch keine gute Beratung. Der persönliche Kontakt mit dem Augenoptiker hilft eher weiter. Frank Bücher berichtet, wie er auf seine jungen Besucher zugeht: „Erstens: Ich betrachte immer die Kinder, und nicht die Eltern, als meine Kunden. Zweitens: Ich muss mir bewusst machen, was Kinder beim Sehtest artikulieren können und was nicht, und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Drittens: Kinder fordern Aufmerksamkeit. Wenn ich nicht hundertprozentig bei der Sache bin, merken die Kinder das sofort und machen nicht mehr richtig mit. Wer nur schnell-schnell verkaufen will, sollte keine Kinderbrillen machen, da ist die Marge ohnehin nicht so hoch.“

Bei der Bestimmung der Sehschärfe verwenden beide Optometristen Sehtesttafeln mit einfachen Symbolen. Buchstaben oder Zahlen sind für Grundschulkinder nicht geeignet, aber auch Bilderserien, die beispielsweise Tannenbäume zeigen, sind problematisch. „Kinder aus Migrantenfamilien können mit Weihnachtsbäumen nichts anfangen“, bringt es Egon Weiler auf den Punkt.

Freie Wahl bei der Fassung

Wichtigster Schritt beim Kauf einer Kinderbrille ist die kindgerechte Fassungsauswahl. Dabei sollten Kinder freie Hand haben. Frank Bücher: „Die beste Brille bringt nichts, wenn sie ungern und damit selten getragen wird.“ Daher sind Kinderbrillen mittlerweile in allen Farben, Größen und oft auch mit den aktuellen Comic-Helden verziert erhältlich.

Funktional erfüllen die allermeisten erhältlichen Fassungsmodelle die Grundvoraussetzungen an Kinderbrillen: Sie sind leicht und flexibel, dabei robust und auf den Kinderkopf anpassbar. Augenoptiker achten natürlich auch darauf, dass die Brillengläser nicht zu groß geraten, und berücksichtigen den unterschiedlich breiten Nasenrücken bei Kindern. Etwa viermal im Jahr oder nach einem deutlichen Wachstumsschub sollten der Sitz der Brille und die Kinderaugen überprüft werden. Eltern, die nun besorgt an die zu erwartenden Kosten denken, kann Frank Bücher beruhigen: „Kinderbrillen sind deutlich günstiger als Korrektionsbrillen für Erwachsene. Also bitte nicht auf Vorrat kaufen: Kinder können in ihre Brillen nicht hineinwachsen.“

Weitere Infomationen gibt es auf der Webseite der „Wissenschaftlichen Vereinigung für Augenoptik und Optometrie“: www.wvao.org . Die Seite www.kind-und-sehen.de gibt ebenfalls einen breiten Überblick.

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