Farben wirken auf alle Sinne, erzeugen bzw. verstärken Stimmungslagen. Foto: HLC
Seit Urzeiten schmücken Menschen die Wände ihrer Wohnstätten mit Farben und Mustern. Das beginnt bei den Höhlenmenschen und führt über die antiken Hochkulturen bis ins 21. Jahrhundert. Farben wirken auf alle Sinne, erzeugen bzw. verstärken Stimmungslagen, können anregen, beruhigen, fröhlich oder aggressiv machen und wecken Assoziationen. In Wohnräumen prägt die Farbgestaltung von Wänden und Decke entscheidend die Wirkung des Zimmers.
Wer einen ganz neuen, quasi jungfräulichen Raum gestaltet, kann die Wand- und Deckenfarbe frei nach Lust und Laune wählen und dann die restliche Zimmergestaltung auf diese abstimmen. Bei einer Renovierung muss auf bereits vorhandene Möbel, Gardinen, Teppiche und Wohnaccessoires Rücksicht genommen werden. Um beim Ton auf Nummer sicher zu gehen, ist es empfehlenswert, zunächst Farbtonstreifen der ausgewählten Farben mit nach Hause zu nehmen oder eine Stoffprobe des Sofas oder der Gardine mit zum Malermeister zu nehmen. Ist eine Mischung von Farbtönen geplant, kann aus einer „Farbfamilie“ (gleiche Grundfarbe), Kontrastfarben (sich im Farbkreis gegenüberliegende Farben) oder Ton-in-Ton-Farben (eine Farbe in verschiedenen Schattierungen) gewählt werden.
Mit dem Einsatz von Farben lässt sich die optische Wahrnehmung von ungünstigen Grundrissen, Raumhöhen und Lichtverhältnisse verbessern. Durch helle, kühle, Distanz suggerierende Farben wirken kleine Räume optisch größer und niedrige Decken höher. Das umgekehrte Prinzip – warme, dunkle Farben – bewirkt, dass große Räume kleiner und hohe Decken niedriger erscheinen. Dunkle Räume leben durch helle, warme Farben auf. Und wenn bei einem Schlauch die langen Seiten hell und kühl, die kurzen hingegen in einem passenden wärmeren Ton gestrichen werden, wirkt sogar der Flur proportional viel harmonischer. Grundsätzlich gilt: je größer der Raum, desto kräftiger darf die Farbe ausfallen.
Auch Muster beeinflussen den Raumeindruck. Ein Raum wirkt niedriger, wenn ein waagerecht ausgerichtetes Muster verwendet und die Decke dunkel gestrichen wird. Höher wirken Wände mit senkrechten Mustern und eine sehr helle Decke. Große Muster lassen einen Raum kleiner, kleine Muster oder Unifarben lassen ihn größer erscheinen.
Nicht vernachlässigt werden darf bei der Farbwahl auch die persönliche Disposition: Wer sich schnell beengt fühlt, wählt immer helle Farben und weitet so seine Räume, wer sich dagegen zum Abschalten gerne „einigelt“, braucht eine dunkel gestaltete Wohnumgebung.
Jeder Mensch empfindet Farben anders und reagiert subjektiv auf Farbtöne – nicht umsonst spricht man von der Lieblingsfarbe. Diese ändert sich im Laufe des Lebens. Kinder bevorzugen starke, reine Farben, während ältere Menschen sich mit sanften Pastelltönen wohler fühlen.
Doch es gibt auch allgemein gültige Farbgesetze. Rot wirkt anregend und belebend. Warme Rot-Orange-Töne erzeugen eine wohnlich warme Stimmung. Bläuliches Rot bewirkt einen eleganten, modernen Eindruck. Aber je nach Intensität und Quantität kann Rot auch aggressiv und bedrängend wirken. Gelb ist die hellste und kommunikativste Farbe und wirkt strahlend, warm und weitend auf jeden Raum. Gerade Räume mit geringem Tageslicht sind für gelbe Flächen dankbar. Grün weckt die Assoziation von Natürlichkeit und Frische. Bläuliche Grüntöne wirken ruhig, gelbliche eher belebend und helle zart und leicht. Kühle Blautöne erzeugen Ruhe und fördern die Konzentration. Helle Blautöne wirken fern, leicht und weiten den Raum, dunkle wirken kompakt und geben Halt. Von Braun geht etwas erdhaftes, organisches aus. Weiß ist neutral und zeitlos elegant, aber auch kalt, hart und langweilig.
Auch die Struktur der Wandflächen hat Einfluss auf die Raumwirkung, so absorbiert eine matte oder raue Oberfläche Licht, während eine glänzende die Farbkraft betont.
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