Goethe-Gymnasium in der Drakestraße 72-74.Mit der Vorlage einer Studie im Frühjahr 2008 über die Leistungsstände Berliner Schülerinnen und Schüler in den Klassen 5 und 6 wurde die seit Jahren geführte Diskussion über grundständige Gymnasien ab Klasse 5 neu belebt. Auch jüngste Äußerungen des Berliner Bildungssenators und die teilweise heftigen Reaktionen hierzu entfachten eine erneute intensive Debatte in der Öffentlichkeit. Die Frage der weiteren Zulassung von grundständigen Gymnasien wird seit längerem auch von der BVV Steglitz-Zehlendorf beraten. Bei diesen Beratungen wurden die unterschiedlichen bildungspolitischen Konzepte der Parteien deutlich.
Nach über 10 Jahren Einsatz der CDU existieren in Berlin 30 grundständige Gymnasien ab Klasse 5. Einer aktuellen Studie des Dr. Dr. Lehmann (HU) zufolge haben Schüler eines Gymnasiums bei gleicher Ausgangslage einen Lern- und Wissensvorsprung von ca. 2 Jahren gegenüber den Grundschülern am Ende der 6.Klasse. Lehmann stellt fest, daß der anspruchsvolle Unterricht in den Klassen 5/6 in allen dortigen Leistungsgruppen höhere Lernerfolge zeitigt. Nach Schulgesetz Bln. ist es: „Auftrag der Schule, alle wertvollen Anlagen der Schülerinnen und Schüler zur vollen Entfaltung zu bringen“, deswegen ist die Politik des Senats, uns im Bezirk weitere grundständige Gymnasien zu verweigern, nicht nur töricht, sondern rechtswidrig. Dessen Politik steht im Widerspruch zu den Eltern- und Schülerwünschen nach einem Gymnasium ab Klasse 5, die mangels Plätzen nicht erfüllt werden können. Für diese leistungsorientierten Schüler besteht sofortiger Handlungsbedarf, auch diese müssen zu ihrem und zum Wohle der Gesellschaft optimal gefördert werden und nicht aus Gleichheitserwägungen an ihrer Entwicklung behindert, wie der Senat dies tut. Marion Berning
Die Debatte um die Schulstruktur hat endlich begonnen. Immer mehr erkennt man, dass ein längeres gemeinsames Lernen in der Berliner Schule der richtige Weg ist. Wir sind dabei, durch Reformen die Qualität und Attraktivität der sechsjährigen Grundschule zu verbessern. Leistungsschwache und leistungsstarke Kinder müssen optimal gefördert werden. Besondere Begabungen lassen sich auch in Klasse fünf und sechs fördern. Dafür brauchen wir keine grundständigen Gymnasien oder grundständige Züge. Selbst in der Landes- CDU erarbeitet man ein neues Schulmodell ohne grundständiges Gymnasium. Die SPD-Fraktion Steglitz –Zehlendorf will für alle eine maximale Lernentwicklung und damit einen möglichst hohen Bildungserfolg. Es ist höchste Zeit, dass allen Kindern der Zugang zu allen Schulabschlüssen ermöglicht wird. Daher ist es notwendig, dass es auch zu einer inneren Reform der gymnasien kommt. Aus Sicht der SPD-Fraktion sind Schnellläuferklassen überflüssig und Grundständige Gymnasien sollen nicht weiter ausgebaut werden. Die Gymnasien müssen Ganztagsschulen werden, individuelle Förderung muss auch hier selbstverständlich werden. Das ist der der richtige Weg für die Zukunft. Renate Krohm
Die Grünen stellen die Qualität von Schule in den Mittelpunkt ihrer Bildungspolitik. Die Verdoppelung der Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Klassen 5+6 der Gymnasien in den letzten 10 Jahren hat allerdings nichts mit einer steigenden Qualität grundständiger Gymnasien zu tun. Vielmehr ist es ein Zeichen für die Flucht von Schülerinnen, Schülern und ihren Eltern vor Grundschulen mit einer für die Lernbedürfnisse der Kinder dieses Alters unzureichenden Ausstattung an qualifiziertem Lehrpersonal. Viele Eltern setzen ihre Kinder einem enormen Druck aus, sich bereits in diesem Alter unbedingt von den anderen ‚absetzen’ zu müssen und so früh wie möglich auf das Gymnasium gehen zu können. Diese Entwicklung gilt es zu stoppen. Bündnis 90/ Die Grünen geht es nicht um ‚Gleichmacherei’. Individualisierung des Lernens ist wichtig, es darf aber nicht Separierung und Abkapselung bedeuten. Wir treten für individuelle Förderung in einem gemeinsamen Lernumfeld ein. Wie dieser Anspruch mit einer guten Lehrer- und Materialausstattung in einem durchdachten pädagogischen Konzept zu verwirklichen ist, machen uns manche Privatschulen schmerzlich bewusst. Die scheinbare Tendenz zu grundständigen Gymnasien oder Privatschulen unterstreicht die Dringlichkeit, mit der öffentliche (Grund-)Schule sich reformieren und verbessern muss. Der Kern unseres Bildungssystems muss die frei zugängliche öffentliche Schule bleiben. Henning v. Wittich
In Steglitz-Zehlendorf gibt des von den insgesamt13 Gymnasien nur 3 Gymnasien, die das Profil eines grundständigen Zuges haben: das Arndt-Gymnasium, das Gymnasium Steglitz und das Schadow-Gymnasium. Das Werner-von-Siemens-Gymnasium bietet den Modellversuch „Super-Schnellläufer“ an. Hier wird der Unterrichtstoff in den Klassenstufen 5 – 7 so komprimiert, dass die 8. Klasse ‚übersprungen’ werden kann. Jedes Schuljahr gibt es eine übergroße Nachfrage nach diesen grundständigen Gymnasien gibt. Die Eltern wünschen, dass ihre Kinder mit besonderen Leistungen, bereits ab Klasse 5 auf diese ausgerichteten Gymnasien wechseln können. Jedoch stehen viele bildungsinteressierten Eltern vor der Tatsache, dass in Ermangelung an Schulplätzen, ihr Wunsch nach einer besseren Schulausbildung ihrer Kinder nicht erfüllt werden kann. Mehr als die Hälfte der Anmeldungen werden abgelehnt. Die Eltern haben das Vertrauen in die Grundschule verloren und wünschen, dass ihre Kinder nach der 4. Klasse in ein grundständiges Gymnasium wechseln. Nach unserem liberalen Verständnis hat jedes Kind und jeder Jugendliche ein Recht auf exzellente, seinen Fähigkeiten entsprechende Bildung. Deshalb tritt die FDP-Fraktion dafür ein, dass alle Gymnasien im Bezirk die Möglichkeit haben sollten, grundständige Züge einzurichten. Es ist nicht zu akzeptieren, dass der frühe Übergang ab Klasse 4 ausschließlich den Gymnasien mit humanistischer Prägung vorbehalten bleibt. Das Angebot an grundständigen Gymnasien im Bezirk muss erhöht werden. Siegfried Tulke
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