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Die Bezirksverordnetenversamlung (BVV)
Steglitz-Zehlendorf diskutiert

http://www.gazette-berlin.de/gazette/contenido/cms/upload/BVV/st-z-2009-07.250.175.jpgDroste-Hülshoff-Gymnasium, Zehlendorf.

Juli 2009:

Gymnasialplätze verlosen?

Der Senat plant, dass künftig mindestens 30 Prozent der Gymnasialplätze per Los vergeben werden sollen, wenn es zu viele Bewerber gibt. Da Erziehung und Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgaben gelten und zudem Fragen von Recht und Gerechtigkeit berührt sind, wird die Diskussion hierüber nicht nur unter den Betroffenen selbst - Schülern, Eltern, Pädagogen -, sondern in der gesamten Öffentlichkeit geführt. Auch in den Gremien der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf wird das Losverfahren erörtert. Im Folgenden stellen die vier Fraktionen ihre Standpunkte zu dem Thema dar.

CDU-Fraktion

Vernichtende Ergebnisse zeigen das Scheitern des rot-roten Senats mit seiner Grundschulreform – es bleibt jeder sechste Schüler sitzen. Jetzt geht er die weiterführenden Schulen an. Da gibt es viel zu tun, jedoch wird auch hier der Ansatz, der auf der Ideologie der Gleichmacherei beruht, scheitern. Zwei Parteien, die programmatisch das Gymnasium ablehnen, versuchen es durch die Gleichstellung mit der anderen verbleibenden Schulform, der Sekundarschule, zu entwerten. Am Sinn und Zweck des Gymnasiums, die leistungsfähigsten Schüler zur allgemeinen Hochschulreife zu führen, geht eine Gymnasialzugangsregelung, die nicht vorrangig auf dem Leistungsprinzip beruht, vorbei. Die Ersetzung der Grundschulempfehlung durch ein Beratungsgespräch schafft nur neue Bürokratie an Grundschulen. Die Ersetzung des Probehalbjahres durch ein Probejahr verlängert nur die Leidenszeit derjenigen, die am Gymnasium von vornherein überfordert sind und denen man es sich nicht durch leistungsbezogene Aufnahmekriterien zu sagen traut. Die Idee bei überfrequentierten Schulen 30 % der Schüler ohne Rücksicht auf Leistungsstand und Schulprofil auszulosen, zeigt die Geisteshaltung von Rot-rot: Die Zukunft der Kinder wird verlost. Die CDU wird diesen Frontalangriff auf die Gymnasien nicht hinnehmen. Marion Berning & Dr. Phillip Fest

SPD-Fraktion

Das Konzept zur Aufnahme an Gymnasien sieht vor, dass die Schulen, die mehr Bewerber als Plätze haben, mindestens 60 Prozent der Schüler selbst auswählen und 30 Prozent über das Losverfahren. Bis zu zehn Prozent der Plätze sollen für behinderte Kinder und Geschwister freigehalten werden. Wichtige Kriterien für die Aufnahme müssen bleiben: Profilbildung und eine faire Chance für alle. Mit dieser neuen Regelung haben die Schulen besser denn je die Möglichkeit ein eigenes Schulprofil zu entwickeln. Es ist schon schwierig genug, am Ende der Grundschulzeit den Bildungsweg eines Kindes bestimmen zu müssen. Auch am Gymnasium müssen alle Schüler optimal gefördert werden, es dient nicht nur der Auslese. Gleichzeitig wird man mit dem Losverfahren dem Elternwillen gerecht. Aber jeder weiß, wenn allein der Elternwille beim Zugang zum Gymnasium zählt, kann man den Run gar nicht anders als durch die Lostrommel kanalisieren. Es ist doch bekannt, dass schon heute Schulen das Losverfahren anwenden, wenn alle anderen Kriterien abgearbeitet sind. Warum die ganze Aufregung über das zukünftige offizielle Losverfahren? Renate Krohm

Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion

Die Sorge, manchen Kindern würde durch ein Losverfahren eventuell die Möglichkeit genommen auf ein Gymnasium zu gehen, ist unbegründet. Ein Losverfahren müsste lediglich an den Schulen angewendet werden, an denen die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber die der vorhandenen Schulplätze übersteigt. Dies traf bislang in unserem Bezirk nur auf wenige Schulen zu. In solchen Fällen wurden auch bisher Schulplätze teilweise durch Losverfahren vergeben. Das Losverfahren stellt eine von sozialer und ethnischer Herkunft unabhängige Vergabe der Schulplätze sicher. Selbst wenn ein Kind keinen Platz über ein Losverfahren an der speziellen Schule zugesprochen bekommt, so ist dadurch keineswegs der Weg auf ein Gymnasium verwehrt. Alleine in unserem Bezirk stehen 13 Gymnasien zur Auswahl. Die Vergabe eines geringen Anteils der Schulplätze durch Losverfahren begrüßte in einer Erklärung Ende Mai auch der Landeselternausschuss. Durch die Sekundarschule sind Schülerinnen und Schüler zudem nicht länger auf Plätze an Gymnasien angewiesen, wenn das erklärte Ziel des persönlichen Bildungsweges das Abitur sein soll. Henning v. Wittich

FDP-Fraktion

Das Auslosen von Gymnasialplätzen ist Ausdruck größter Hilf- und Ideenlosigkeit und hat mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun. Gute Zeugnisnoten durch gute Leistung, das kann man Kindern vermitteln - dass sie in den Lostopf kommen, nicht! Auch das Prinzip des freien Elternwillens wird zum Lippenbekenntnis. Die Eltern dürfen nicht aus einer Vielfalt auswählen, sondern werden in die Einheitlichkeit gezwungen – und die Kinder damit in die politisch favorisierte Sekundarschule gedrängt. Vertraut der Senat seinem eigenen System nicht? Die Grundschulen sind sehr wohl in der Lage, tragfähige Empfehlungen abzugeben. Und die Oberschulen können die Aufnahmeverfahren rechtssicher durchführen. Außerdem wird das Losverfahren Widersprüche und Klagen hervorrufen. Politisch und juristisch müssen das dann die Bezirksämter ausbaden. Für die Linken ist das Losverfahren der erste Schritt zur Destabilisierung der Gymnasien. Denn man darf nie vergessen: Die Linken wollen das Gymnasium als Schulart abschaffen. Wir fordern daher ein vernünftiges Leistungsprinzip mit Vertrauen ins System. Und das heißt: Bis zu einem Notendurchschnitt von 2,0 (Zeugnisse der Kl. 5 und 6) spricht die Grundschule die Zulassung zum Gymnasium aus. Bei einem Durchschnitt von 2,0 bis 2,5 erfolgt ein klar geregeltes Aufnahmeverfahren durch die Gymnasialschulleiter. Siegfried Tulke

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