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Die Bezirksverordnetenversamlung (BVV)
Steglitz-Zehlendorf diskutiert

http://www.gazette-berlin.de/gazette/contenido/cms/upload/BVV/st-z-2009-10.250.175.jpgBlick vom Strandbad Wannsee auf Schwanenwerder.

Oktober 2009:

Umstrittene Bebauung auf Schwanenwerder

Der Neubau einer Villa auf der Insel Schwanenwerder hat in den letzten Monaten für sehr unterschiedliche Reaktionen bei den unmittelbaren Nachbarn aber auch in den kommunalen Gremien gesorgt. Während die einen durch den massiven Bau die Ursprünglichkeit der Havelinsel in Gefahr sehen, begrüßen andere das Projekt als Ausdruck moderner Architektur. Bei der Plenardebatte in der Juni-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung wurde die Vorgehensweise und die Entscheidung der Bauabteilung zu diesem Bauvorhaben zum Teil heftig kritisiert, während der Baustadtrat die Handlungsweise seiner Abteilung verteidigte.

CDU-Fraktion

Baustadtrat Stäglin (SPD) hat die Ansicht der Havellandschaft vom Wasser auf Schwanenwerder unwiederbringlich zerstört. Er hat gegen den noch von der BVV Zehlendorf für Schwanenwerder beschlossenen Bebauungsplanes zum Schutz der Havellandschaft eine Baugenehmigung für einen Betonkoloß („Marinebunker“) erteilt. Hätte die CDU vorab Kenntnis gehabt, hätten wir den Bau verhindert. Weil sich Stäglin dessen sicher war, hat er uns umgangen. Dabei geht es uns nicht um einen Streit über die Ästhetik „moderner“ Architektur, sondern nur um Größe und Massigkeit eines riesiges Betonblocks in der Uferlandschaft, der einen unerträglichen Eindruck in der sonst intakten Natur hinterläßt.
Als Reaktion auf diesen ungeheuerlichen Vorgang habe wir in der BVV beantragt, Baustadtrat Stäglin den Alleinentscheid über Ausnahmen von Bebauungsplänen zu entziehen.
Baustadtrat Stäglin (SPD) hat in einem Alleingang etwas Einmaliges zerstört, um etwas Triviales, das überall hätte errichtet werden können, zu schaffen. Wir werden verhindern, daß er weiterhin Gelegenheit hat, den Bezirk zu verschandeln. Torsten Hippe

SPD-Fraktion

Quo vadis architectura. Das fragt sich der Betrachter angesichts des Neubaus auf Schwanenwerder. Die Debatte um den Baukörper zeigt anschaulich die beiden Positionen der aktuellen Diskussion zwischen den Vertretern der skulpturalen Baukomposition, die das Bauwerk als Ereignis betrachten, das neue Impulse an seine Umgebung abgibt, und den Befürwortern der rationalistischen Haltung, die sich eher in der Weiterntwicklung tradierter Kompositionselemente in eine moderne Formensprache mit Bezug auf den Kontext sieht. Solange das Baurecht eingehalten wird, sind beide Positionen möglich. Die entsprechenden Wünsche des Bauherrn hatte das Bezirksamt hier abzuwägen. Die Entscheidung, welches die richtigen Mittel für eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung sind, kann nur in einer konstruktiven Auseinandersetzung über die gebauten Beispiele erreicht werden. Traditionell steht unser Bezirk positiv für diese die Baukultur erhaltende Diskussion. Denke man nur an die Bauten von Muthesius, Taut und Tessenow, die geachtete Beispiele einer realisierten Theorie geworden sind. Ob dies auch mit der Villa auf Schwanenwerder gelingt, bleibt abzuwarten. Volker Semler

Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich trefflich streiten und deshalb wollen wir uns über die Qualität der Architektur auch nicht auslassen. Aber eines steht für uns fest. Dieser Baukörper passt nicht auf die Insel Schwanenwerder, das Einfügungsgebot der Bauordnung und die Erhaltungsatzung für Schwanenwerder hätten eigentlich einen derartigen Bau verhindern müssen. Wie konnte es zu der Baugenehmigung in dieser Form kommen? Um das herauszufinden werden wir über den Stadtplanungsausschuss Einsicht in die Genehmigungsakten verlangen und der zuständige Stadtrat muss sich fragen lassen warum der zuständige Stadtplanungsausschuss nicht über das Bauvorhaben im Detail informiert wurde, was üblicherweise bei so sensiblen Standorten geschieht. Was bleibt zu tun? Neben der Aufarbeitung der Vergangenheit sollte wenigstens versucht werden die wasserseitige Ansicht durch Baumanpflanzungen zu kaschieren um so den Fremdkörper aus der Insel Schwanenwerders zu entfernen. Ulf Hampel

FDP-Fraktion

Sollen Politiker bestimmen, was schön ist? Ist ein lapidares „Schön“ die richtige Kategorie, um eine über 100 Jahre lang gewachsene Wohnbebauung zu beurteilen? Nein. Solange die baurechtlichen Bestimmungen, die der Sicherheit und der besonderen naturräumlichen Situation von Schwanenwerder dienen, eingehalten werden, müssen Architekten und Bauherren die Freiheit haben, ihre Vorstellungen umzusetzen. Allerdings wäre es wünschenswert und richtig gewesen, wenn der Stadtrat die aktuellen Baupläne für die Inselstraße 34 rechtzeitig im Ausschuss vorgelegt und diskutiert hätte, schließlich strapazieren sie die bewährte Gestaltungssatzung der Insel sehr stark. Mehr Mut zum Meinungsaustausch hätte hier viel Unmut verhindern können. Aber dennoch, Schwanenwerder ist ein lebendiger Teil Berlins. Seit ihrer ersten Bebauung in den 1880er Jahren hat die Insel viele illustre und exklusive Bewohner angezogen, aber sie ist auch ein Zeugnis von Vertreibung und Kriegsverbrechen. Eine restriktive, rein historisierende Architekturvorgabe würde der Geschichte der Insel nicht gerecht werden. Und das Wichtigste: Die Anwohner und Nachbarn sind selbst geteilter Meinung. Sehen wir dem Ergebnis gespannt entgegen! Rolf Breidenbach

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