Auszubildende des Bezirksamts, Jahrgang 2008Nach Informationen der Industrie- und Handelskammer gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf fast 7.500 Auszubildende. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bildet 136 junge Menschen aus, davon 57 Gärtnerinnen und Gärtner, 25 Kauffrauen und Kaufmänner für Bürokommunikation, 24 Verwaltungsfachangestellte, 20 Fachangestellte für Bürokommunikation, 6 Fachangestellte im Medien- und Informationsdienst, 3 Vermessungstechnikerinnen und -techniker und eine Arzthelferin.
Nein, ein Stiefkind ist sie nicht! Aber es bedarf der ständigen Anstrengung von Politik und Wirtschaft, um sich den schnell verändernden Marktsituationen anzupassen. Ein wichtiger Faktor ist die Verfügbarkeit von Lehrstellen. In Zeiten konjunktureller Schwäche stellen die Betriebe weniger Lehrstellen zur Verfügung. Berlin hat als eines der ersten Bundesländer daher schon frühzeitig begonnen, das Angebot an vollschulischer beruflicher Qualifizierung zu erweitern, um die Chancen auf eine Berufsausbildung der Jugendlichen sicher zu stellen. Im internationalen Vergleich konnte die Jugendarbeitslosigkeit gering gehalten werden. Der Arbeitsmarkt verändert sich schnell, und daraus ergeben sich ständig neue Handlungserfordernisse. Die Wirtschaft ist hier gefordert, ihren Beitrag in Form von Ausbildungsstellen zu leisten, und die staatliche Steuerung dient der Effektivität und Verbesserung des Berufsausbildungssystems. Die Sicherung der Berufsausbildung junger Menschen ist uns ein besonderes Anliegen. Brigitte Hoffmann
Oft kopiert, nie erreicht“ lautete und lautet noch das internationale Urteil über das deutsche Modell der Berufsausbildung. Dieses „Duale System“ sorgt mit Hilfe der Kammern für größtmögliche Praxisnähe; der Staat mit seiner Berufsschule sichert die Mobilität der Ausgebildeten und die Gleichwertigkeit der Abschlüsse.
In Berlin erscheint der Ausbildungssektor dank konstanten Angebots der Wirtschaft und rückläufiger Bewerberzahl entspannt. 21.000 Ausbildungsverträge konnten im letzten Jahr abgeschlossen werden.
Natürlich reichen die Plätze in den beliebtesten Berufen nie, und die Staatsseite kann über die Bezirksämter auch nur wenige Ausbildungsgänge anbieten. Zwei selbstverschuldete Engpässe aber muss der Senat schleunigst beseitigen.
Zum ersten ist der durch jahrzehntelange sträfliche Missachtung aller Statistiken verschuldete Mangel an Berufsschullehrern endlich vom Schulsenator zu beheben. Viel wichtiger jedoch: die zehn Jahre des allgemeinbildenden Schulunterrichts müssen künftig alle Schulabgänger befähigen, ihre Ausbildungsreife im Lesen, Schreiben und Rechnen bei Auswahltests unter Beweis zu stellen! Albrecht Förschler
Raus aus der Warteschleife - Berufsausbildung für alle!
Nicht nur die Finanz- und Wirtschaftskrise, auch der demographische Wandel gebietet uns, die Zukunft für unsere Jugend optimal zu gestalten. Auch Jugendliche, die noch nicht die Ausbildungsreife haben, um eine betriebliche Ausbildung zu beginnen, müssen die Chance auf eine Berufsausbildung erhalten. Die Grünen wollen das „Verharren in der Warteschleife“ durch das Absolvieren sinnvoller und anerkannter Ausbildungsbausteine ersetzen. An praktisch orientierten „Produktschulen“ sollen fehlende Schulabschlüsse nachgeholt und das reale Arbeitsleben erprobt werden. Diese modulare Ausbildung stellt sicher, dass auch benachteiligte Jugendliche Erfolge vorweisen können und in einzelnen Schritten eine Ausbildung absolvieren können. Voraussetzung für den Erfolg ist eine gute personelle und finanzielle Ausstattung und ein bedarfsorientiertes modulares Ausbildungskonzept. Ruth Vatter und Alexander Kaas Elias
Zu viele Jugendliche bei uns bleiben ohne Berufsabschluss. Politik, Verwaltung und Wirtschaft müssen energische Maßnahmen ergreifen, um diesen Missstand zu bekämpfen. Das duale System ist das Rückgrat der mittelständischen Wirtschaft. Eine Problemgruppe sind Jugendliche mit „Migrationshintergrund“. Für diese hatte die FDP-Fraktion 2008 das Einwerben von Ausbildungsplätzen beantragt. Das Bezirksamt hat einiges mit den Verbänden angestoßen, aber es ist noch nicht genug. Die Ausbildung muss praxisorientierter werden, aber schon die Schule muss eine ausreichende Alphabetisierung garantieren. Die Jugendlichen sollten von Mentoren angeleitet werden. Sie müssen auch selber in die Pflicht genommen werden, das heißt nicht die Schule schwänzen, keine Drogen konsumieren und an der Berufsorientierung teilnehmen.
Deshalb fordern wir das Meister-BaföG für alle, die es nötigen haben und eine gute Ausbildung für alle Ausbildungswilligen. Dr. Wilfried Fest
Schule aus - und dann?
Fraglos ist die Diskussion über die Schulstruktur, die ja von der LINKEN angeschoben wurde, ein wichtiger Teil der Bildungspolitik. Für junge Menschen ist aber die Frage nach der Perspektive die entscheidende, und die stellt sich vor allem nach dem Schulabschluss - oder dem Schulabbruch.
Der bundesweite Bildungsstreik macht deutlich, dass in der Hochschulentwicklung einiges im Argen liegt. Hinzu kommt, dass viel zu lange die berufliche Bildung im dualen System von jeder Reform unbeachtet blieb. Es wird daher Zeit, dieses Thema anzugehen.
Eine berufliche Ausbildung findet weitgehend in kleinen und mittleren Betrieben statt und im öffentlichen Dienst. Dem muss die Ausbildungsstruktur ebenso gerecht werden wie den berechtigten Interessen der potenziellen Auszubildenden. Verbundausbildung ist hier nur ein Stichwort, Modularisierung ein anderes - beides führt eher ein Schattendasein, noch dazu getrennt voneinander. Was fehlt - wie so oft - ist ein schlüssiges Gesamtkonzept, das auch Wirkung auf die Unterrichtsplanung in der Schule zeigt. Hans-Ulrich Riedel
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