
In den 5 Regionen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf stehen vierzehn kommunale Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und ein Haus der Familie mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung, um Kindern und Jugendlichen kreative Freizeitbeschäftigung, soziales Lernen und die Erfahrung von Solidarität, Toleranz und friedlicher Konfliktbewältigung zu ermöglichen. Wegen der immer knapper werdenden finanziellen Möglichkeiten werden zunehmend freie Träger in diese Arbeit einbezogen.
Charlottenburg-Wilmersdorf hat vor einigen Jahren einen wichtigen Umsteuerungsprozess bei seinen bezirklichen Jugendeinrichtungen durchgeführt. Zielsetzung war es, in jedem Sozialraum Jugendeinrichtungen vorzuhalten, die sich sowohl durch eine gute Personalausstattung als auch durch individuelle Angebote und Profile der offenen Jugendarbeit auszeichnen. Der Bezirk verfügt über eine bunte Vielfalt an Einrichtungen in öffentlicher und in freier Trägerschaft.
Die unzureichende Mittelzuweisung für den Bezirk im Haushalt für 2010/11 durch den Senat wird jedoch auch in diesem Bereich spürbar. Die Politik ist gefordert, mit dem wenigen Geld eine möglichst gute Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Die SPD-Fraktion macht sich im Jugendhilfeausschuss dafür stark, dass eine Übertragung von öffentlichen Einrichtungen in freie Trägerschaft Vorrang vor Abwicklung durch Schließung hat. Für die Spirale, dem Jugendkulturzentrum im Bezirk, ist es gelungen, mit einer Trägergemeinschaft ein Konzept zu entwickeln, das auch in Zukunft die über die Bezirksgrenzen anerkannte Arbeit dieser Einrichtung sicherstellen wird und darüber hinaus sogar Chancen für eine Weiterentwicklung bietet. Holger Wuttig
Für die CDU-Fraktion steht der Erhalt aller Jugendeinrichtungen an erster Stelle. Dies muss nicht zwingend in öffentlicher Trägerschaft sein. Damit die Jugendclubs aber auch in Zukunft allen Jugendlichen zugänglich sind und die Zielgruppe erreichen, muss der inhaltliche Bedarf festgelegt werden. Auf dieser Grundlage müssen die Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft konzeptionell überprüft und eventuelle Ausschreibungen zur Übernahme durch freie Träger formuliert werden. Die eingereichten Konzepte müssen auf Nachhaltigkeit angelegt sein. Das schließt auch seriöse finanzielle Berechnungen ein. Allerdings darf sich die öffentliche Hand nicht aus ihrer Verantwortung stehlen. Das heißt konkret: Einheitliche Standards zur Übertragung von Jugendfreizeiteinrichtungen, eine zuverlässige finanzielle Mindestausstattung von Seiten der öffentlichen Hand, Bereitschaft, Einrichtungen, wenn notwendig, weiterhin in öffentlicher Trägerschaft zu behalten, qualitative Überprüfung von Konzepten. Bodo Schmitt
Die angespannte Haushaltssituation des Bezirks geht auch am Jugendamt nicht vorüber. Zehn Stellen müssen hier jährlich eingespart werden. Betroffen sind vor allem die Jugendeinrichtungen, da in den übrigen Arbeitsbereichen kaum Einsparpotentiale vorhanden sind.
Bei der Übertragung der Einrichtungen auf freie Träger muss darauf geachtet werden, dass diese auch Finanzmittel für das Personal erhalten und leistungsstark und erfahren genug sind. Bei der Auswahl der zu übertragenden Standorte müssen die spezifischen Besonderheiten jeder Einrichtung berücksichtigt werden.
Für die betroffenen Mitarbeiter/-innen ist die Übertragung Ihrer Einrichtung ein drastischer Einschnitt. Der Bezirk ist daher in der Pflicht, den Auswahl- und Übertragungsprozess transparent zu gestalten und die Betroffenen so früh wie möglich zu informieren. Den Nutzer/-innen der Einrichtungen muss die Zukunft ihrer Jugendclubs frühzeitig transparent dargestellt und alle Beteiligten so gut es geht in die Entscheidungen mit einbezogen werden. René Wendt
Jugendclubs haben es schwer. Groß ist das kommerzielle Angebot, das Jugendlichen Abwechslung und Unterhaltung in der Freizeit bietet. Diverse Vergnügungsstätten bis hin zu Spielhallen locken. Welcher Club mit einem „Anliegen“ kann da mithalten und attraktiv sein? Und wer soll ihn betreiben, wer bezahlen? Das rot-rote Berlin ist immer weniger bereit, hier Geld auszugeben. Freie Träger haben genauso wie die Bezirke Schwierigkeiten, Mittel aufzutreiben. Dabei bedarf es eines Angebots, das Jugendliche trotz vieler anderer Verlockungen anzieht. Die Tischtennisplatte und das Spielbrett reichen schon lange nicht mehr aus. Angebote für Trendsetter im Sport oder in der Kultur müssen her. Vielfalt ist gefragt. Wenn Jugendliche dem Extremismus oder dem Alkohol verfallen, ist das Geschrei jeweils groß. Aber Folgen hat das nicht. Mit einer breiten Angebotspalette ließe sich einiges verhindern. Jugendsozialarbeit muss die Gefährdeten dort bei der Hand nehmen, wo sie kurz vor dem Unglück stehen. Doch Rot-Rot spart, kann oder will keine Prophylaxe betreiben. Und das soll sozial, gar vorbildlich für die Republik sein? Jürgen Dittberner
Die anstehende Übertragung einzelner Jugendclubs an freie Träger ist die Folge einer katastrophalen Finanzausstattung der Bezirke durch den Senat von Berlin. Leider haben weder Bezirksamt noch die beiden Fraktionen der SPD und Bündnis90/Die Grünen den Mut, sich gegen die finanzielle Ausblutung unseres Bezirkes deutlich sichtbar zu wehren. Opfer dieser Finanzsituation sind neben vielen anderen Kürzungen einige, nicht alle, Jugendclubs. Ihre Zukunft soll in die Hände freier Träger gelegt werden. Dies ist die einzige Alternative zur Schließung. Die Zukunft der betroffenen Jugendclubs wird damit nicht nur vom Bezirk, sondern gemeinschaftlich von den Eltern der Jugendlichen, den Jugendlichen selbst, dem übernehmenden freien Träger und dem Bezirk selbst in gemeinsamer Verantwortung abhängig sein. Nur wenn alle gemeinsam an dieser Zukunft arbeiten, können die Jugendclubs weiter bestehen. In dieser „Notsituation“ ist nicht gegeneinander sondern miteinander gefragt. Wolfgang Tillinger
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